Absage an den Kanzler - DER SPIEGEL
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BEAMTE / ROMMEL Absage an den Kanzler

• aus DER SPIEGEL 12/1967
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Vater diente als Generalfeldmarschall. Er kämpfte im Zweiten Weltkrieg mit Hitlers Afrikakorps vor Tobruk und El-Alamein. Erwin Rommels Gefährt war der Panzer.

Des Sohnes Frontbewährung fand im Sonderzug statt. Mit Kanzler und Kanzlertroß zwischen Bonn und Tübingen pendelnd, half Regierungsdirektor Manfred Rommel, 38, dem Kurt Georg Kiesinger beim Durchbruch zur Macht.

Das war vor drei Monaten. Seit dieser Zeit leitet der Marschallssohn im Staatsministerium des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger das »Grundsatzreferat«.

Seine Beförderung zum Ministerialrat steht an. Und in Stuttgarter Regierungskreisen gilt die weitere Karriere des vollschlanken Brillenträgers -- der vom Vater zwar nicht die Statur, wohl aber die Begabung für Mathematik und Logik erbte -- in höhere Staatsämter als gesichert. Auch in seiner Partei, der CDU, ist Manfred Rommel ein Mann mit Zukunft. Mit 15 noch Luftwaffenhelfer, war Rommel als Zwanzigjähriger zur CDU gestoßen. Dort debütierte er bald als Wahlredner, versuchte sich als Wehrexperte ("Das Interesse dafür hatte noch mein Vater geweckt") und stritt mit Adenauer für die deutsche Wiederbewaffnung ("Er hat mich außerordentlich beeindruckt").

Nach dem Jurastudium in Tübingen ("Ich wollte mich verloben und dachte:· »Du mußt einen sicheren Beruf ergreifen") kam Rommel 1958 unter einem roten Minister ins Stuttgarter Innenministerium. 1960 eroberte ein CDU-Chef -das Haus, der heutige badenwürttembergische Ministerpräsident Dr. Hans Filbinger. Rommel wurde zunächst dessen persönlicher Referent und Redenschreiber, dann als Regierungsdirektor wichtigster Polit- und Finanzberater.

Bald wurde Kurt Georg Kiesinger, damals von Bonn ins Ländle emigriert, auf den zielstrebigen Jungmann aufmerksam. Im Sommer 1964 kamen Rommels Formulierungskünste der Antrittsvorlesung Kiesingers als wiedergewählten Landesvaters zugute.

Auch den Wahlsieg hatte seinerzeit der junge Rommel mit erstritten. Teils in der Freizeit, teils während des Dienstes im Stuttgarter Innenministerium schrieb der Jurist und Laufbahnbeamte für die südwestdeutschen CDU- Wahlkämpfer als »Rednerhilfe« ein landespolitisches Kompendium von A ("Agrarstrukturverbesserung") bis Z ("Zweiter Bildungsweg").

Außerdem entwarf er zusammen mit zwei anderen CDU-Nachwuchsmannen den Großteil der CDU-Wahlinserate; das Triumvirat verkaufte Kiesingers liberales Image so geschickt, daß die CDU in Baden-Württemberg nur um zwei Sitze die absolute Landtagsmehrheit verfehlte.

Anfang 1966 wünschte die Partei den Verwaltungskenner auf dem Stuhl des Stuttgarter Oberbürgermeisters zu sehen. Rommel lehnte ab zu kandidieren, weil er sich »nicht mit Spekulationen auf den Namen meines Vaters populär machen« wollte.

Im September bewegte sich Ministerial-Bürokrat Rommel dann »am Rande des Ungehörigen« so jedenfalls der baden-württembergische CDU-Landtagsvizepräsident Franz Gog. Als Vertreter des Innenministeriums in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuß erinnerte sich nämlich Rommel plötzlich präzise an seine Militär-Abstammung und attestierte der untersuchungswütigen SPD, die damals noch in der Opposition war, den »Entdeckungseifer eines Sergeanten, der Rekrutenstiefel inspiziert«.

Das Parlament zürnte. Rommels Fortkommen aber litt darunter nicht. Denn Kurt Georg Kiesinger mochte. den mit Grips und Griff ei begabten Staatsdiener nicht missen. Und als in der Hoch-Zeit des Bonner Koalitions-Machens die »Finanzpolitik auf den Tisch kam, zitierte er den Marschall-Sohn an den Rhein.

Rommel; der Kiesinger »immer brillant« findet: »Kiesinger braucht jemand, der ihn anregt. Er verlangt streng sachliche, knappe, belegte Informationen.« Beides bekam er bis zuletzt: Als gewandter und gewiefter Daten- und Wortlieferant prägte Rommel die finanzpolitischen Passagen der Bonner Regierungserklärung wesentlich mit.

Kiesinger ließ Rommel schließlich anbieten, als Ministerialdirigent ins Bonner Kanzleramt zu kommen. Doch der wackere Schwabe, der mit seiner Frau, einer Oberstudienrätin, und seiner Mutter in Stuttgart ein bescheidenes Häusle bewohnt, wollte sich nicht als Boß einer »Brigade Kiesinger« am Rhein eingraben. Ihn interessiert ein anderer Zug: »Ich möchte mal selbst in die Politik.«

Daheim in Stuttgart erwägt der Marschall-Nachfahr eine Kandidatur für den baden-württembergischen Landtag, »und als Fernziel würde ich natürlich auch gerne mal Landesminister werden«.

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