ANGST - DER SPIEGEL
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Briefe

ANGST
• aus DER SPIEGEL 25/1968
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ANGST

(Nr. 24/1965, Kennedy)

Senator Robert Kennedy wurde erschossen. Diese Schüsse, wie die Schüsse auf John F. Kennedy, auf Dr. Martin Luther King und auf Rudi Dutschke, gelten uns allen. Es sind die Reaktionen der Kleinmütigen, die die Kraft der Überzeugung mehr fürchten als die Unterdrückung durch Gewalt. Jedesmal waren es Einzeltäter ohne klares politisches Konzept. Sie scheinen stellvertretend zu handeln für die Minderheiten, die in allen Ländern den fortschrittlichen Ideen verständnislos gegenüberstehen und deren blinder Haß gegen die grollen Exponenten dieser Ideen in Gewaltakte mündet.

Bremen ARNOLD KURPJUHN

Das Attentat auf Robert Kennedy ist neben der Ermordung des Negerführers Martin Luther King eines der weltbewegendsten Ereignisse, die die gesamte freie westliche Welt seit dem Mord am Präsidenten John F. Kennedy erschütterten. Zum erstenmal ist neben der Anteilnahme für die Hinterbliebenen ein Prozeß der Bewußtseinsbildung in der freien westlichen Welt zu beobachten. Man beginnt zu erkennen, daß das politische Attentat nicht die Tat eines einzelnen, sondern Ausfluß gesellschaftlicher, sozialpsychologisch begründbarer Spannungen ist. Man sollte sich, nicht ohne in Gewissenskonflikt zu geraten, die Frage stellen: Bedurfte es erst des Mordes von Los Angeles, damit sich die Öffentlichkeit endlich bewußt wird, daß es auch in unserer Gesellschaft unerträgliche Spannungen gibt?

Hagen PETER WENDEBORN

Haben Sie Leute mit dem sechsten Sinn in Ihrer Redaktion? Als mir meine Frau aufgeregt sagte, daß im Fernsehen was von einem Attentat auf Kennedy durchgegeben worden ist, las ich gerade im SPIEGEL, daß Kennedys Organisation für den Wahlkampf in Los Angeles eine Motorrad-Eskorte gemietet hatte -- bei einem Beerdigungsunternehmer.

Köln PETER RAUTEN

Wenn Amerika nicht einmal seine eigenen Präsidenten und Senatoren so achtet oder schützen kann, daß nicht immer wieder so asoziale Halbidioten. politische oder rassische Fanatiker seine besten Politiker umlegen können, dann wird es auch sicher nicht fähig sein, bei einem realistisch denkenden Menschen Glaubwürdigkeit für die Fähigkeit seiner Führungsrolle in der westlichen Welt verbreiten zu können. Es wird sicher besser sein, wenn dieses großartige und erbärmliche Amerika seinen eigenen Augiasstall säubert, indem es die Einwanderungs-, Arbeits-, Waffen- und Rassengesetze überprüft, statt einen verlorenen Krieg in Vietnam weiterzuführen.

Stuttgart HANS-GEORG KOEPPE

Was sich am 5. Juni des Jahres 1968 in Los Angeles fast vor den Augen der Weltöffentlichkeit abspielte, gehört zu den unauslöschlichen Schandblättern in der Geschichte der modernen Menschheit. Und es wird ihr Los sein, sich mitzuschämen für jenen Teil ihrer Gesellschaft, die solches möglich werden ließ. Solange die Menschheit nichts Sonderliches dabei findet, nach altem, längst überholtem »Brauch« durch millionenfaches Töten in Kriegen ihr angebliches Recht zu erlangen, solange wird der einzelne in seiner Beschränktheit nichts Außergewöhnliches darin sehen, einen Mitbruder wegen seines Andersseins einfach auszulöschen.

Wolfsburg (Nieders.) Louis KUMMER

Wer ist der nächste?

Ich bin erschüttert und ratlos. In was für einer Zeit leben meine Kinder? Was erwartet sie denn, in dieser Welt voll Krieg, Haß und Mord? Ich habe Angst um sie!

Siegburg (Nrdrh.-Westf) LISA GRENDA

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