ÜBERSCHULDUNG Armer Osten
In den vergangenen sechs Jahren hat die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland um mehr als 30 Prozent zugenommen. Sieben Prozent aller bundesdeutschen Haushalte - das sind rund 2,8 Millionen - können ihre Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen. 1994 waren es noch zwei Millionen Haushalte. Zu diesem Ergebnis kommt ein noch nicht veröffentlichtes Gutachten zur »Überschuldung in Deutschland« im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Die starke Zunahme ist vor allem auf die Entwicklung in Ostdeutschland zurückzuführen: Dort wuchs die Zahl der überschuldeten Haushalte im Zeitraum von 1997 bis 1999 um 290 000 auf 870 000 an, während sie im Westen von 2,1 Millionen auf 1,9 Millionen sank. Am stärksten betroffen ist die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen, doch 17 Prozent der Betroffenen sind älter als 50 Jahre. Als häufigste Ursache für Zahlungsunfähigkeit von Privathaushalten gilt die Arbeitslosigkeit, gefolgt von gescheiterten Paarbeziehungen. Nicht bewährt hat sich in den Augen der Gutachter die neue Insolvenzordnung, die Anfang 1999 eingeführt wurde, um Privatpersonen neue Wege aus der Überschuldung zu eröffnen. Zu hohe Verfahrenskosten und fehlende Vorschriften für Prozesskostenbeihilfen machten die Regelung gerade für mittellose Menschen nicht praktikabel. Im Bundesjustizministerium wird deshalb bereits an einer neuen Insolvenzordnung gearbeitet.