Briten stimmten ab Labour steigert alten Rekord
London - Die Briten haben am Donnerstag ein neues Unterhaus gewählt und der regierenden Labourpartei erneut eine bequeme Mehrheit von über 200 Sitzen Vorsprung beschert.
Nach der Prognose der BBC nach der Auszählung von fast der Hälfte der Wahlbezirke bekommt die Labour-Partei von Premierminister Tony Blair 418 Sitze, ebenso viele wie bisher. Der Privatsender ITN bezifferte die Zahl der Labour- Mandate dagegen auf 424, fünf mehr als beim spektakulären Wahlsieg vom Mai 1997. Die Konservativen sackten nach der BBC-Prognose von 165 auf 158 Sitze ab, nach ITN sogar auf 143. Das wäre das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte.
Auch Liberale erfolgreich
Die Liberaldemokraten steigerten sich laut BBC von 46 auf 57 Mandate, laut ITN auf 62 und feierten den Wahltag auch aus ihrer Sicht als historisches Ereignis.
Die Wahlbeteiligung war so niedrig wie noch nie seit Einführung des allgemeinen Wahlrechts: Den Prognosen zufolge bewegte sie sich zwischen 65 und 50 Prozent. Sprecher aller Parteien führten dies vor allem darauf zurück, dass der Eindruck entstanden sei, der Labour- Sieg stehe ohnehin fest.
Labourpolitiker feiern "gelungene Schlacht um die Ideen"
Prominente Labour-Politiker bezeichneten die Wahl am frühen Freitagmorgen als gewonnen. Vizepremier John Prescott sagte, die Wähler hätten Labour "ein überwältigendes Mandat" gegeben. Innenminister Jack Straw sprach von einer "kolossalen Mehrheit". Finanzminister Gordon Brown sagte: "Ich glaube, das Ausmaß unseres Sieges und der große Abstand zwischen uns und unseren Gegnern zeigt, dass wir nicht nur die Schlacht um die Stimmen, sondern auch die Schlacht um die Ideen gewonnen haben." Führende Konservative wie Michael Portillo, Ann Widdecombe und Kenneth Clarke versicherten Parteiführer William Hague ihre Unterstützung und lehnten eine Nachfolge-Diskussion ab.
Blair spricht von historischem Tag
Der britische Premierminister Tony Blair (48) hat nach dem erneuten spektakulären Wahlsieg seiner Partei von einem "historischen Augenblick der Labour-Partei" gesprochen. Blair sagte nach seiner eigenen Wiederwahl im nordostenglischen Wahlkreis Sedgefield, erstmals in ihrer 100-jährigen Geschichte habe Labour die Möglichkeit, eine zweite Amtszeit zu regieren.
Blair sagte, die Stimmung im Lande sei anders als bei dem Sieg 1997, als Labour die Konservativen nach 18 Jahren im Amt ablöste. "Das Urteil mag jetzt nüchterner ausfallen, aber es beruht auf dem, was wir in den vergangenen vier Jahren geleistet haben." Blair: "Dieses Land ist heute ein besseres Land als 1997 und in fünf Jahren wird es ein besseres Land als heute sein." Seine Regierung habe "eine Menge getan, aber es bleibt noch eine Menge zu tun".
Labour werde sich "mit großer Demut" den Aufgaben der neuen Legislaturperiode stellen: "Wir haben den Mut, uns selbst zu verändern."
Blair erhielt in Sedgefield 26 110 Stimmen. Seine Mehrheit von 64,8 Prozent war gut sechs Punkte geringer als 1997. Die Wahlbeteiligung in Blairs Wahlkreis lag bei 62 Prozent, zehn Punkte unter jener von 1997.
Konsequenzen bei Konservativen wahrscheinlich
Hague hat sich während des gesamten Wahlkampfes immer wieder überzeugt gezeigt, dass seine konservative Partei wesentlich besser abschneiden werde als die Demoskopen vorhersagten. Sollten die Tories nun tatsächlich das von den Meinungsforschern prognostizierte schlechteste Ergebnis seit ihrer Gründung vor knapp 170 Jahren einfahren, muss Hague um seinen Posten als Parteichef fürchten. Für Labour ist diese Wiederholung oder gar Verbesserung des sehr guten Ergebnisses von 1997 die erste Chance der 100 Jahre alten Partei, zwei volle Legislaturperioden in Folge zu regieren.
Im Wahlkampf versuchte die konservative Opposition vor allem einen
angeblich geplanten, aber von den meisten Briten abgelehnten Beitritt
Großbritanniens zur Eurozone zum Hauptthema zu machen. Die Regierung
wich dieser Frage aus und stellte künftige Verbesserungen im
öffentlichen Dienst und Gesundheitssystem in den Mittelpunkt ihres
Wahlkampfes.