Gore gegen Bush: Schönheitswettbewerb fürs Weiße Haus (Teil 2) - DER SPIEGEL
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Gore gegen Bush Schönheitswettbewerb fürs Weiße Haus (Teil 2)

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Ohne übergreifende Kontroverse ist die Wahl zum Schönheitswettbewerb mutiert. Beide Kandidaten bemühen sich eifrig, als volksnah zu erscheinen: Bush wie Gore, beide Millionäre und verwöhnte Zöglinge aus erfolgreichen Politiker-Dynastien, treten mit Vorliebe in Schulen, Altenheimen und Hamburger-Ketten auf.

Zugleich versuchen sie die Debatte in philosophisch tieferes Fahrwasser zu lenken. Nation, Vision, Werte - die Dreifaltigkeit dieses politischen Vokabulars gehört zu den meist strapazierten Floskeln des Wahlkampfes. Vizepräsident Al Gore beschreibt sie in seinem Entwurf für eine "bessere Zukunft" genauso wie Gegner George W. Bush; predigt der Gouverneur aus Texas über die nötig geistig-moralische Wende, legt er die Hand auf's Herz und preist sich treuherzig als Brückenbauer über ideologischen Kontroversen und giftigem Parteienhader: "Ich traue dem Volk, nicht der Regierung." Die Strategie haben die Republikaner schamlos abgekupfert - bei Bill Clinton. Der trat seinerzeit als "neuer Demokrat" an und versicherte stets: "Ich fühle Ihren Schmerz."

"I am not a devida', I am a unida'" ("Ich teile nicht, ich einige"), menschelt der Texaner Bush heute in breitem Südstaatenakzent und setzt sich damit geschickt als "neuer, mitfühlender Konservativer" von den Dogmatikern in der eigenen Partei ab. Das kommt an. Bush liegt vorn, wenn es um Charaktereigenschaften wie Aufrichtigkeit und Offenheit geht; der Texaner mit dem jovialen Dauerlächeln gilt als umgänglich, freundlich, tugendhaft.

Offenbar genügt das, um den Junior als "starken Führer" erscheinen zu lassen, auch wenn Bushs intellektuelle Fehlleistungen (O-Ton: "Mehr und mehr unserer Importe kommen aus dem Ausland") mittlerweile ganze Internetseiten schmücken. Gore, trotz aller Versuche, seine hölzerne Besserwisserei aufzugeben, reagiert auf die Charme-Offensive seines Konkurrenten mit Angriffen auf dessen "unverantwortliche" Wahlversprechungen und die mangelnde Erfahrung des Texaners, der nur sechs Jahre als Gouverneur regiert hat.

Der Vizepräsident, zuvor Senator und Abgeordneter, blickt hingegen auf eine Politikerkarriere von 20 Jahren zurück. Damit empfiehlt sich Gore als in Krisen geprüfter Steuermann der Nation, der sie weiter auf Erfolgskurs halten wird.

Zum Zünglein an der Waage könnte Ralph Nader werden - der frühere Verbraucheranwalt kandidiert für die Grünen und hat mit seinem Feldzug gegen das Amerika der Großkonzerne unter unabhängigen Wählern einen beachtlichen Rückhalt gewonnen: Bis zu vier Prozent von US-Bürgern könnten für Nader votieren - es wären Stimmen aus dem liberalen Lager, die vor allem Al Gore verloren gingen.

Pat Buchanan hingegen, Spitzenmann der Reformpartei, hat vergeblich versucht, sich als Rechtsaußen neben George Bush zu etablieren: Buchanans Agenda aus Isolationismus, einem Feldzug gegen Abtreibung und Schusswaffenkontrolle bewegt allenfalls extreme Randgruppen des konservativen Wahlvolkes.

Angesichts des ungewissen Ausgangs der Wahlen am traditionellen ersten Dienstag im November zählt freilich jede Stimme. Gewinnen kann daher nur der Kandidat, der es schafft, die eigene Parteibasis und die traditionellen Stammwähler zu mobilisieren. Mit einem Propaganda-Dauerfeuer von Radio- und TV-Anzeigen, Zeitungsannoncen und Postwurfsendungen versuchen Demokraten wie Republikaner daher bis zum Wahltag, ihre Gefolgschaft an die Urnen zu bringen; obendrein schwappt die Politwerbung durchs Internet.

Millionenbeträge von "weichem Geld" werden in die Endrunde des Wahlkampfes gesteckt - nicht nur beim Rennen um die Präsidentschaft, sondern auch beim wichtigen Kampf um die Mehrheit im Abgeordnetenhaus und im Senat. Diese Zuwendungen, unbegrenzte Millionenbeträge, werden von Konzernen, Gewerkschaften, Lobbyisten und Verbänden in die Partei- und Wahlkampfkassen geschleust. Die unappetitliche Spendenpraxis von unabhängigen Aufsichtsorganisationen und Bürgerinitiativen als "Dollarkratie" gerügt, verteidigen Politiker beider Lager gern als Bestandteil der "freien Meinungsäußerung".

Ein Skandal sind die sprudelnden Spendenmillionen jedenfalls nicht. Bislang hat sich die Mehrheit der Amerikaner offenbar damit abgefunden, dass reiche US-Bürger sich dank fetter Konten den Weg zu politischen Karrieren freikaufen können. Denn das einzige Ergebnis, was schon jetzt feststeht, ist ein entlarvender Rekord: Rund drei Milliarden Dollar werden für die Wahlen in diesem Jahr ausgegeben werden - seit 1996 ein Anstieg um 50 Prozent. "Das Erkaufen von Einfluss ist schlichtweg gigantisch", rügte der "Christian Science Monitor" und forderte mit Blick auf die nächsten Wahlen: "Lasst Stimmen, nicht Dollars regieren."

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