Präsidentenwahl in Polen Kaczynski will seinen Bruder beerben
Jaroslaw Kaczynski: "Diesen Auftrag trotz der persönlichen Tragödie annehmen"
Foto: PETER ANDREWS/ REUTERSWarschau - Jaroslaw Kaczynski und sein verstorbener Zwillingsbruder Lech galten stets als engste Vertraute. Nun will der Chef der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) seinen verunglückten Bruder als polnischen Staatspräsidenten beerben. Kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist gab am Montag seine Kandidatur um das höchste Staatsamt bekannt.
"Das tragisch unterbrochene Leben des Präsidenten und der Tod der patriotischen Elite Polens bedeuten für uns eins: Wir müssen ihre Mission beenden", hieß es in seiner Erklärung. " ist unsere große gemeinsame Verpflichtung. Wir müssen unseren persönlichen Schmerz hinter uns lassen und diesen Auftrag trotz der persönlichen Tragödie annehmen." Er und seine Anhänger seien verpflichtet, "das Testament der Verstorbenen zu erfüllen".
Jaroslaw Kaczynski leitete von 2006 bis 2007 als Ministerpräsident die polnische Regierung. Seine Amtszeit war von Spannungen mit Deutschland und Russland geprägt. Seit Herbst 2007 sitzt der Politiker auf der Oppositionsbank.
Ursprünglich wollte die PiS bei der Präsidentenwahl Amtsinhaber unterstützen. Seit dem Tod seines Bruders hatte sich Jaroslaw Kaczynski nicht öffentlich über seine politischen Absichten geäußert. Am Montag lief die Frist für die Einreichung der Kandidaturen für die vorgezogenen Wahlen am 20. Juni ab.
Bei der Wahl tritt Kaczynski gegen den Favoriten Bronislaw Komorowski an. Der Kandidat der liberal-konservativen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) hat als Parlamentschef nach dem kommissarisch die Geschäfte des Staatsoberhauptes übernommen.
Experten räumen Kaczynski wenig Chancen ein. Er werde vermutlich kaum mehr als 25 Prozent der Stimmen erhalten, sagte der Leiter der Stiftung Unia & Polska, Krzysztof Bobinski. Der 60-Jährige werde daher alles versuchen, um von der Sympathie zu profitieren, die die Polen seinem Bruder Lech entgegenbrachten.
Neben Komorowski und Kaczynski treten bei der Wahl unter anderem der Vorsitzende der Demokratischen Linksallianz, Grzegorz Napieralski, und der Chef der Bauernpartei, Waldemar Pawlak, an.
Jaroslaws Zwillingsbruder Lech war am 10. April beim Absturz der polnischen Präsidentenmaschine ums Leben gekommen. Kaczynski war mit einer ranghohen Delegation auf dem Weg zu einer Gedenkfeier in Katyn gewesen, als die Maschine im Westen Russlands abstürzte. Alle 96 Insassen, darunter auch Kaczynskis Ehefrau Maria, starben bei dem Unglück in Smolensk. Politiker, Parlamentarier, Geistliche und Militärs wollten in Katyn der polnischen Offiziere gedenken, die 1940 vom sowjetischen Geheimdienst erschossen worden waren.