Anschläge in Mombasa und Beit Schean: Terroristen machen Jagd auf Israelis - DER SPIEGEL
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Anschläge in Mombasa und Beit Schean Terroristen machen Jagd auf Israelis

Die Terror-Offensive war generalstabsmäßig geplant. Die Anschläge in Kenia tragen die Handschrift des meist gesuchten Mannes der Welt: Osama Bin Laden. Während eine Autobombe vor einem Hotel in Kikambala explodierte, wurden zwei Raketen auf ein israelisches Flugzeug abgefeuert, das gerade vom Flughafen der kenianischen Stadt Mombasa abgehoben hatte. Israels Botschafter machte die al-Qaida für die Attacken verantwortlich.
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Mit dem weißen Pajero fuhren die Attentäter in den Hoteleingang hinein

Mit dem weißen Pajero fuhren die Attentäter in den Hoteleingang hinein

Foto: AFP
Von oben wird die Zerstörungskraft der Bombe sichtbar

Von oben wird die Zerstörungskraft der Bombe sichtbar

Foto: AP
Soldaten und Sanitäter in den Ruinen des "Paradise"-Hotels

Soldaten und Sanitäter in den Ruinen des "Paradise"-Hotels

Foto: AP
Für die Passagiere des Arkia-Fluges ließ die Anspannung erst nach der Landung in Tel Aviv nach

Für die Passagiere des Arkia-Fluges ließ die Anspannung erst nach der Landung in Tel Aviv nach

Foto: AFP
Israelische Sicherheitsleute, Luftfahrttechniker und Journalisten begutachten Schäden an der beschossenen Boeing

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Foto: AP
Israels Premierminister Ariel Scharon nahm die Nachricht von den Anschlägen fassungslos entgegen

Israels Premierminister Ariel Scharon nahm die Nachricht von den Anschlägen fassungslos entgegen

Foto: AFP
Ein Passagier fotografierte aus der Arkia-Maschine einen israelischen Luftwaffenjet, der das Flugzeug bis nach Tel Aviv begleitete

Ein Passagier fotografierte aus der Arkia-Maschine einen israelischen Luftwaffenjet, der das Flugzeug bis nach Tel Aviv begleitete

Foto: REUTERS
Das einstige Urlauber-Paradies ist völlig verwüstet worden

Das einstige Urlauber-Paradies ist völlig verwüstet worden

Foto: DPA
Am Eingang des Hotelgeländes schieben kenianische Polizisten Wache

Am Eingang des Hotelgeländes schieben kenianische Polizisten Wache

Foto: DPA

Nairobi - Mindestens 20 Menschen kamen am Donnerstag bei den Anschlägen in Kenia und Israel ums Leben. Die meisten von ihnen starben bei einem Selbstmordanschlag auf ein Hotel in Mombasa: Neun Kenianer, drei Israelis, darunter zwei kleine Mädchen, sowie die drei Täter. 40 weitere Menschen wurden bei dem Blutbad am Indischen Ozean zum Teil schwer verletzt.



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Zum Zeitpunkt der Explosion hielten sich etwa 140 Gäste im Hotel "Paradies" auf. Viele von ihnen gerade erst am Beginn ihres Traumurlaubs in Kenia: Eine große Reisegruppe stand noch in der Hotelhalle zum Einchecken, ihre Maschine war erst zwei Stunden zuvor auf dem Flughafen gelandet. Nach israelischen Augenzeugenberichten ereignete sich der Bombenanschlag gegen 7.30 Uhr (Ortszeit). Ein mit drei Männern besetztes weißes Geländefahrzeug durchbrach die Absperrung vor dem Hotel am Strand von Kikambala. Einer der Männer sei zur Rezeption gestürzt, wo er sich in die Luft gesprengt habe. Gleichzeitig sei auch der Jeep explodiert. Ein anderer Augenzeuge berichtete, die Attentäter hätten "arabisch" ausgesehen. Nach anders lautenden Berichten raste das mit Sprengstoff beladene Fahrzeug in die Empfangshalle, wo es explodierte. Durch die Wucht der Explosion stürzten Teile des Hotels ein, das in Flammen aufging.



Augenzeugen berichteten, dass Teile des Hotels von einem riesigen Feuerball eingehüllt gewesen seien. "Wir waren gerade im Hotel angekommen, als es zu der Explosion kam", sagte ein Gast. "Wir wollten gerade die Lobby verlassen, da brach überall Feuer aus. Hier herrscht wirklich völliges Chaos, einige Leute wurden schwer verletzt", beschrieb die Israelin Linoi die Szene. "Wir ließen alles fallen und rannten um unser Leben". Wie ein Polizeisprecher in der Küstenstadt sagte, ist das Hotel nahezu komplett zerstört. Es sei nicht auszuschließen, dass sich weitere Opfer unter den Trümmern befänden.



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Mehrere Familien waren aus der Stadt Beer Schewa in Südisrael nach Mombasa gereist, um dort die "Bar Mizwa", die jüdische Konfirmation ihrer Söhne zu feiern. "Wir wollten dem Chaos (in Israel) entkommen und nun dieses!" klagte eine Augenzeugin im israelischen Rundfunk.

Etwa fünf Minuten vor dem Blutbad hatten unbekannte Terroristen zwei Kilometer nördlich des Flughafens von Mombasa zwei Boden-Luft-Raketen vom Typ Strella auf eine startende Boeing 757 der Chartergesellschaft Arkia abgefeuert. Nach Schilderung der Piloten verfehlten die Raketen die Maschine nur um wenige Meter. Lediglich Splitter der Geschosse hätten den Jet getroffen. Der Pilot bemerkte einen Blitz an der linken Seite der Maschine. Die mit 264 Passagieren und 11 Besatzungsmitgliedern voll besetzte Maschine landete sicher am Mittag in Tel Aviv, eskortiert von einem Kampfflugzeug. Wegen des Raketenüberfalls setzte die israelische Fluggesellschaft El Al zunächst alle internationalen Starts aus.

Am Nachmittag gab es einen dritten Anschlag auf israelische Bürger: In der Nähe eines Wahllokals der regierenden Likud-Partei und einer Bushaltestelle im nordisraelischen Beit Schaen wurden mindestens fünf Menschen erschossen. 35 Israelis wurden verletzt, elf davon schwer. Auch einer der Angreifer sei ums Leben gekommen, teilten Sanitäter mit. Über das Schicksal der anderen Attentäter ist bislang nichts bekannt. In einem Anruf bei der Nachrichtenagentur Reuters bekannten sich die militanten al-Aksa-Brigaden zu diesem Attentat. Die Mitglieder der Likud-Partei hatten sich in ihrem Wahllokal getroffen, um in einer Urwahl ihren Spitzenkandidaten für die kommenden Parlamentswahlen zu küren.

Israels Außenminister Benjamin Netanjahu nannte die Anschlagswelle eine ernste Eskalation des internationalen Terrorismus. Regierungschef Ariel Scharon rief die wichtigsten Minister zu einer Sondersitzung zusammen. Vier Hercules-Transportmaschinen der israelischen Luftwaffe flogen am Morgen mit Ärzten nach Mombasa, um bei der Versorgung der Verletzten zu helfen.



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Eine bislang unbekannte Gruppe namens "Armee Palästinas" bekannte sich zu den Anschlägen in Kenia. In Israel wurde das Bekennerschreiben jedoch mit Skepsis aufgenommen. In der an eine westliche Agentur in Beirut übermittelten Erklärung hieß es, die Gruppe habe zwei Attentäter-Trupps nach Kenia Land gesandt, damit "die Welt wieder die Stimme der palästinensischen Flüchtlinge hört".

Internationale Terrorismusexperten und israelische Geheimdienstkreise gehen davon aus, dass die Anschläge auf das Konto der Terrororganisation al-Qaida gehen. John Malan Sawe, Kenias Botschafter in Israel, machte ebenfalls das internationale Terrornetzwerk al-Qaida für die beiden Anschläge in Mombasa verantwortlich. Er habe keinerlei Zweifel daran, sagte er dem israelischen Armeesender. Die kenianische Polizei teilte mit, dass in der Nähe Mombasas zwei Verdächtige festgenommen wurden. Nähere Informationen dazu sind bislang nicht bekannt.



Kenia war 1998 bereits Ort eines schweren Terroranschlags. Nahezu zeitgleich gingen Bomben in der amerikanischen Botschaft in Nairobi und im tansanischen Daressalam hoch. Dabei wurden 231 Menschen getötet.

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