Anti-Terror-Feldzug: Rumsfeld will von ausgebrannten Soldaten nichts wissen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Anti-Terror-Feldzug Rumsfeld will von ausgebrannten Soldaten nichts wissen

Die Kriege im Irak und in Afghanistan lasten schwer auf der US-Armee. Von zehn Divisionen stehen nur noch zwei unverbraucht für Einsätze in aller Welt zur Verfügung. Verteidigungsminister Rumsfeld will angesichts der dünnen Truppenstärke noch mehr aus seinen GIs herausholen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Pentagon-Chef Donald Rumsfeld dürfte sich mit seinen jüngsten Äußerungen bei den amerikanischen Truppen nicht beliebt machen. Nach seinem Besuch im Irak trat er Bedenken entgegen, die GIs, die im Irak ihren Dienst schieben, seien nach dem Feldzug gegen Saddam Husseins Truppen und den anhaltenden Gefechten gegen irakische und islamistische Widerstandskämpfer ausgebrannt.

Auf seinem Flug nach Irland, wo seine Maschine einen Zwischenstopp zum Auftanken hatte, sagte er, die Regelungen für die Bereitstellung von Truppen sei zu überdenken, schließlich befinde man sich jetzt im Krieg.

Rumsfeld reagiert damit auf Berichte von Militärvertretern, die darauf hingewiesen haben, dass nur noch zwei der zehn für weltweite Kampfeinsätze in Frage kommenden Divisionen in Bereitschaft stehen, sollte im kommenden Jahr irgendwo auf dem Globus ein Militäreinsatz nötig werden.

Die Militärs wiesen zudem darauf hin, dass die Einheiten was Personal und Gerät angeht, ausgebrannt und verbraucht seien. Wenn drei der vier Divisionen, die derzeit im Irak im Einsatz sind, demnächst nach Hause zurückkehren werden, damit sich die Soldaten erholen können und deren Ausrüstung repariert wird, werden sie für mindestens sechs Monate nicht zur Verfügung stehen.

Drei neue Divisionen werden deren Aufgabe im Irak übernehmen, eine weitere soll nach Afghanistan geschickt werden. Damit sind 80 Prozent der verfügbaren Kräfte entweder zur Regeneration zu Hause oder im Mittleren Osten im Einsatz.

Rumsfeld will angesichts der knapp werdenden Resourcen nichts von ausgepowerten Soldaten hören. "Unsere Truppen sind so trainiert, ausgerüstet und kampferprobt wie seit eh und je", sagte er. Selbst wenn Fahrzeuge und Flugzeuge repariert oder ersetzt werden müssten, und die Soldaten Erholung bräuchten, hieße das nicht, dass sie nicht zu weiteren Kampfeinsätzen herangezogen werden können.

Rumsfeld schwor die Armeeführung darauf ein, von bisherigen - für den Frieden geltenden - Bewertungsmaßstäben abzurücken. Das System, das die Truppenbereitschaft regelt, müsse in Kriegszeiten neu definiert werden. Darüber werde er mit Generalstabschef Peter Schoomaker sprechen, kündigte der Verteidigungsminister an.

Weiterer Anstieg der Gewalt im Irak erwartet

Zu Rumsfelds Personalsorgen kommen die des US-Oberbefehlshaber im Irak, General Ricardo Sanchez. Er rechnet mit einem weiteren Anstieg der gewalttätigen Aktionen von Aufständischen im Irak. "So wie wir uns der Übertragung der Souveränität an eine irakische Übergangsregierung Ende Juni nächsten Jahres nähern, werden sie versuchen, diesen Prozess zu torpedieren", sagte Sanchez am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Bagdad. Seine Truppen seien allerdings darauf vorbereitet und würden dies so weit wie möglich unterbinden.

Sanchez sprach von einer "großartigen letzten Woche". Die Zahl der Feindberührungen gingen auf durchschnittlich weniger als 20 pro Tag zurück, mit Spitzenwerten im Vormonat November von bis zu 40 täglich. Die offensiven Operationen des US-Militärs zur Bekämpfung der Aufständischen würden fortgesetzt. Gleichzeitig schreite der Aufbau neuer irakischer Sicherheitskräfte voran. Das paramilitärische irakische Zivilschutzkorps (ICDC) zähle derzeit 12.500 Mann und soll bis April nächsten Jahres eine Stärke von 40.000 Mann erreichen.

Mehr lesen über