Aufstand in Syrien: Assads Schergen erschießen acht Demonstranten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Aufstand in Syrien Assads Schergen erschießen acht Demonstranten

Die Arabische Liga soll in Syrien zwischen Machthaber Assad und Regimekritikern vermitteln. Trotzdem geht das Militär weiter mit Gewalt gegen Demonstranten vor: Einer Menschenrechtsorganisation zufolge kamen dabei am Donnerstag mindestens acht Menschen ums Leben.
Aufstand in Syrien: Assads Schergen erschießen acht Demonstranten
Aufstand in Syrien: Assads Schergen erschießen acht Demonstranten

Aufstand in Syrien: Assads Schergen erschießen acht Demonstranten

Foto: AP/ Ugarit News Group
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Beirut - Mindestens acht Tote, das ist laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die blutige und möglicherweise vorläufige Bilanz für diesen Donnerstag. Denn das Militär von Machthaber Baschar al-Assad geht weiter brutal gegen die Demonstranten vor. Der Menschenrechtsgruppe zufolge starben die acht Regimegegner, weil die Soldaten das Feuer auf sie eröffneten.

Die Gewalt hält damit trotz der Mission der Arabischen Liga an. Die Beobachter waren am Montagabend in Syrien eingetroffen und hatten am Dienstag Homs besucht. Das Vertrauen vieler Syrer gegenüber der Delegation ist offenbar gering: In Homs verweigerten Bewohner der Stadt ein Treffen mit den Beobachtern, weil diese mit Militärs angereist waren.

Zudem irritierte Mustafa al-Dabi, Leiter der Mission, Menschenrechtsgruppen mit den Worten, die Arabische Liga habe bei ihrem Besuch in Homs "nichts Beängstigendes" gesehen.

Dem Assad-Regime wird vorgeworfen, die Arabische Liga zu täuschen. Es habe die Gewalt gegen Regimegegner unmittelbar vor Eintreffen der Delegation stoppen lassen, um den Eindruck von friedlicher Ordnung zu erwecken.

Nach den USA hat auch Deutschland einen freien Zugang der Beobachter der Arabischen Liga zu allen Teilen Syriens gefordert. Ein Sprecher von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte am Donnerstag in Berlin, die Beobachtermission müsse "ungehinderten Zugang zu allen neuralgischen Punkten im Land" erhalten. Das schließe auch ein, dass die Beobachter mit Vertretern der Opposition, der Zivilgesellschaft und mit "Inhaftierten des Regimes" sprechen könnten. Wichtig sei auch der Zugang zu "kritischen Städten" wie der umkämpften Protesthochburg Homs.

Die arabischen Beobachter in Syrien setzen ihre Friedensmission mit dem Besuch der Protesthochburgen Hama, Daraa und Idlib fort. Wie die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag aus dem Umfeld der Delegation erfuhr, wollten die Experten der Arabischen Liga ursprünglich schon früher in diesen Provinzen sein. Allerdings habe es wegen eines "logistischen Problems" Verzögerungen gegeben.

Dabi, der Leiter der Mission, bat den Angaben nach die Oppositionsaktivisten um mehr Zeit, bevor die Arbeit der Beobachter kritisiert werde. Die Demokratiebewegung hatte zuvor empört auf die Aussage des sudanesischen Generals reagiert, er habe beim Besuch in der seit Wochen umkämpften Stadt Homs nichts Beängstigendes gesehen.

Sheich Anas Airut vom Nationalrat der syrischen Opposition sagte in einem Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur dpa aus der Türkei, diese Einschätzung sei "sehr enttäuschend". Das Regime von Präsident Baschar al-Assad spiele allen etwas vor. "Das ist eine Tragödie."

Ende Dezember sollen zwischen 150 und 200 Beobachter in Syrien sein. Sie sollen bis Ende Januar den Rückzug der Armee aus den Städten und die Freilassung der politischen Gefangenen überwachen. Ziel ist ein Ende des Blutvergießens. Seit Beginn des Aufstands im März gegen Assad sind laut Uno-Schätzungen mehr als 5000 Menschen getötet worden.

hen/dpa/Reuters