Betlehem: Geburtskirche unter Beschuss - DER SPIEGEL
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Betlehem Geburtskirche unter Beschuss

Auch unmittelbar vor dem Eintreffen von US-Außenminister Colin Powell hat Israel seine Militäroffensive gegen die Palästinenser fortgesetzt. Am Morgen wurde auch die Geburtskirche in Betlehem unter Beschuss genommen. Dabei kam ein palästinensischer Polizist ums Leben, der ein Feuer löschen wollte.
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New York/Gaza - Israelische Kampfhubschrauber griffen in der Nacht zum Montag erneut das Flüchtlingslager in Dschenin an. Augenzeugen berichteten dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira, israelische Soldaten hätten zuvor über Lautsprecher die Erstürmung des Lagers angekündigt und die Bewohner aufgefordert, ihre Häuser und die Moschee zu verlassen. Nachdem die Palästinenser dies abgelehnt hätten, habe der Angriff nach Mitternacht begonnen.

Die israelischen Kampfhubschrauber sollen nach Angaben von palästinensischen Augenzeugen bis zu 20 Raketen auf das Flüchtlingslager in Dschenin gefeuert haben. Seit Donnerstag vergangener Woche versucht die israelische Armee, das Lager unter ihre Kontrolle zu bringen. Noch am Sonntag hatte die Armeeführung ein baldiges Ende der Militäroperation angekündigt.

Nach Angaben von al-Dschasira wurden in der Nacht auch die israelischen Truppen rund um das Hauptquartier von Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Ramallah verstärkt. Arafat wird seit Karfreitag von der israelischen Armee in seinem Büro belagert.

Süd-Libanon: Hisbollah greift an

Israelische Soldaten und Panzer sollen nach Angaben des palästinensischen Gouverneurs von Betlehem die Geburtskirche Jesu beschossen haben, in der sich rund 200 bewaffnete Palästinenser verschanzt halten.

Durch den Beschuss sei ein Feuer in dem an das Gotteshaus angrenzende Kloster ausgebrochen, teilte Gouverneur Mohammed al-Madani am Montagmorgen der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch aus der Kirche mit. Die Soldaten schössen von einem hundert Meter entfernten Verwaltungsgebäude auf die Kirche. Außerdem hätten zwei Panzer das Gotteshaus unter Beschuss genommen. Ob die rund 200 in der Kirche verschanzten Palästinenser das Feuer erwiderten, blieb zunächst unklar.

Ein palästinensischer Polizist, der ein Feuer auf dem Gelände der Kirche löschen wollte, ist nach palästinensischen Angaben von einem israelischen Soldaten erschossen worden. Das Feuer wurde offenbar von einer israelischen Granate ausgelöst.

Im Norden Israels setzten schiitische Hisbollah-Milizen von Süd-Libanon aus unterdessen ihre Angriffe auf israelische Stellungen fort. Dabei wurden nach Angaben des israelischen Rundfunks am Sonntagabend sechs Soldaten verwundet.

Weltsicherheitsrat fordert "unverzüglichen" Truppenabzug

Der Uno-Weltsicherheitsrat hatte Israels Militäroperationen in den Palästinensergebieten zuvor als "nicht akzeptabel" bezeichnet und erneut einen "unverzüglichen" Truppenabzug verlangt. Die Dringlichkeitssitzung in New York war auf Antrag der Arabischen Liga vor dem Hintergrund der dramatischen Lage in den palästinensischen Flüchtlingslagern in Dschenin und Nablus einberufen worden.

Der Sicherheitsrat sei "zutiefst besorgt" über die Situation im Westjordanland und dem Gaza-Streifen sowie darüber, dass beide Seiten die Uno-Resolutionen missachteten, sagte der amtierende Ratspräsident Sergej Lawrow (Russland) nach der Sitzung. "Es muss jetzt Waffenruhe eintreten, und Israel muss seine Soldaten ohne Verzug aus dem Palästinenserstädten abziehen", sagte Lawrow.

London: "Schreckliche Fehler" Scharons

Noch am Montag wollte der Sicherheitsrat Israels Uno-Botschafter Jehuda Lancry und den Uno-Repräsentanten der Palästinenser, Jasser al-Kidwa, wieder zu getrennten "persönlichen" Gesprächen vorladen. Anschließend wollte sich der Rat bei einer öffentlichen Sitzung erneut mit der Lage in den palästinensischen Gebieten befassen. Ein neuer Resolutionsentwurf lag dem Rat jedoch nicht vor.

Die britische Regierung kritisierte unterdessen die Haltung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon heftig. Mit seiner Weigerung, der Forderung von US-Präsident George W. Bush nach einem sofortigen Abzug der Armee aus den Palästinensergebieten nachzukommen, setze Scharon "eine Serie schrecklicher Fehler" fort, sagte der Staatssekretär im Londoner Außenministerium, Ben Bradshaw, dem BBC-Radio.

Ob sich US-Außenminister Colin Powell bei seiner Nahost-Reise auch mit Arafat treffen wird, ist noch unklar.. "Wenn es die Umstände erlauben", hatte Powell in einem Interview mit dem US-Sender NBC erklärt und sich damit auf Kollisionskurs mit den arabischen Außenministern begeben. Diese hatten am Samstag in Kairo betont, dass kein anderer Palästinenser oder Araber das Recht habe, an Stelle Arafats mit Powell zu reden. Powell wollte am Montag zunächst mit dem saudischen Kronprinzen Abdullah in Marokko sprechen.

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