Betlehem: Wo bleibt Arafat? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Betlehem Wo bleibt Arafat?

In Betlehem ist die Weihnachtsmesse zum ersten Mal seit Jahren ohne Jassir Arafat zelebriert worden. Patriarch Michel Sabbah übte heftige Kritik an Israels Premier Scharon, der dem Palästinenserpräsidenten die Reise nach Betlehem untersagt hatte. Unterdessen kam es an der israelisch-jordanischen Grenze zu einer Schießerei.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jerusalem - Bei der Schießerei kam Angaben aus israelischen Sicherheitskreisen zufolge ein israelischer Soldat ums Leben. Mindestens drei weitere wurden verletzt. Bewaffnete hätten eine israelische Grenzpatrouille angegriffen, hieß es in den Kreisen. Jordanien wies Berichte zurück, die israelische Armee sei bei der Verfolgung der Angreifer auf jordanisches Gebiet vorgedrungen.

Die Bewaffneten seien auf israelisches Gebiet vorgedrungen und hätten die Patrouille angegriffen, hieß es in den Sicherheitskreisen. Es sei unklar, wer die Angreifer seien. Zunächst hatte es geheißen, die Schüsse seien von Jordanien aus abgegeben worden. Als die Truppen das Grenzgebiet auf israelischer Seite durchkämmt hätten, sei es zu einem Feuergefecht gekommen, hieß es in den Kreisen weiter. Zwei der Verwundeten befänden sich in einer ernsten Verfassung. Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge im Jordantal, etwa 16 Kilometer nördlich des Westjordanlandes.

Ein jordanischer Regierungssprecher wies darauf hin, dass es keinen Beweis dafür gebe, dass die Angreifer die Grenze von jordanischem Gebiet aus überschritten hätten. Zudem seien keine israelischen Militäreinheiten auf jordanisches Gebiet vorgedrungen, sagte er. In israelischen Sicherheitskreisen hatte es zunächst geheißen, die Armee habe die Angreifer am Boden und in der Luft bis nach Jordanien verfolgt. Später hieß es, die Soldaten hätten den Grenzzaun überschritten, ohne israelisches Gebiet zu verlassen. Seit dem Abschluss eines Friedensvertrages zwischen den beiden Ländern 1994 ist es an der Grenze nur noch selten zu Zusammenstößen gekommen.

Messe ohne Arafat

Arafat bezeichnete Israels Nein zu seiner Teilnahme am Gottesdienst in Betlehem als Verbrechen. "Die betonierten Kontrollpunkte und die aggressiven Gewehre der Unterdrücker haben verhindert, dass ich mit euch unsere jährlichen Feiern an diesem heiligen Tag begehe", sagte er in einer Fernsehansprache.

Während der Messe sagte der Patriarch Michel Sabbah, Repräsentant der katholischen Kirche im Heiligen Land, Voraussetzung für einen Frieden sei das Ende der israelischen Besetzung der palästinensischen Gebiete. Die Palästinenser wünschten sich Frieden und für Israel Sicherheit als Frucht dieses Friedens, sagte er. Das Reiseverbot für Arafat war vom Vatikan, den USA und der Europäischen Union (EU) kritisiert worden. Wegen der seit mehr als einem Jahr anhaltenden Gewalt und der Abriegelung Betlehems durch die israelische Armee feierte der Ort das Fest nur zurückhaltend. Es waren nur wenige Plätze weihnachtlich geschmückt. Auch blieben die sonst zahlreich strömenden Touristen weit gehend aus.

Auch nach Weihnachten will Israel Arafat die Ausreise aus Ramallah nicht erlauben. Der israelische Umweltminister Zachi Hanegbi sagte, Arafat könne die Stadt erst dann verlassen, wenn er die Mörder des israelischen Tourismusministers Rechawam Seewi festnehmen lasse. Diese Entscheidung wurde auch vom Büro des Ministerpräsidenten Ariel Scharon in Jerusalem bestätigt. Seewi war am 17. Oktober in einem Jerusalemer Hotel erschossen worden.

Der israelische Chefrabbiner Israel Lau kritisierte jegliche "religiöse Beschränkung" als Sanktion gegen Arafat. Scharon habe Arafat damit eine "PR-Trumpfkarte" übergeben. Arafat hatte während einer Weihnachtsansprache, die am Montagabend in Bethlehem über Lautsprecher verbreitet wurde, von einem "Verbrechen" Israels gesprochen.

Israels Armee nimmt angebliche Hamas-Mitglieder fest

Im Norden des Westjordanlandes drang die israelische Armee am Morgen in ein palästinensisches Dorf ein und nahm israelischen und palästinensischen Angaben zufolge sieben Männer fest. Die Männer seien Mitglieder der radikalen Organisation Hamas, teilte die Armee mit. Gegen zwei von ihnen bestehe der Verdacht auf eine Beteiligung an Attentaten. Nach einer Serie von Anschlägen in Israel war Arafat auf internationalen Druck hin schärfer gegen radikale Palästinenser-Gruppen vorgegangen und hatte sein Volk zu einem Ende der Gewalt aufgefordert. Israel verlangt jedoch verschärfte Verfolgung mutmaßlicher Attentäter und eine grundsätzliche Absage an die Gewalt.

Mehr lesen über