Fotos zur Folteraffäre: Hoon glaubt an Fälschungen - DER SPIEGEL
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Fotos zur Folteraffäre Hoon glaubt an Fälschungen

Die britische Regierung zweifelt an der Echtheit von Fotos, die Misshandlungen irakischer Gefangener durch eigene Soldaten zeigen. Verteidigungsminister Hoon wies im Unterhaus Vorwürfe zurück, man habe schon seit Monaten von Folterungen gewusst. Die Opposition warf der Regierung Versagen vor und verlangte vollständige Aufklärung.
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London - Alle ihm bekannt gewordenen Fälle, in denen irakische Gefangene möglicherweise misshandelt worden seien, wurden oder werden untersucht, sagte Geoff Hoon bei seiner mit Spannung erwarteten Rede im Unterhaus. Die britische Militärpolizei habe sich mit 33 Fällen befasst, in denen Vorwürfe irakischer Zivilisten über Tötungen, Verletzungen und Misshandlungen erhoben worden seien. 15 Fälle seien bislang entkräftet worden.

In zwei Fällen werde es vermutlich eine Anklage geben. "Ich kann heute bestätigen, dass die Untersuchungen in zwei Fällen so weit vorangeschritten sind, dass die Entscheidung über eine Strafverfolgung bevorsteht", sagte Hoon. Er versprach: "Jedem Übeltäter wird das Handwerk gelegt."

Im Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) seien insbesondere der Tod des 28 Jahre alten Baha Mussa im September sowie die Praxis, die Köpfe der Gefangenen mit Plastiktüten zu verhüllen, kritisiert worden. Der Tod Mussas sei unmittelbar nach Bekanntwerden untersucht und auch im Parlament erörtert worden. Die systematische Verhüllung der Gefangenen sei im September eingestellt worden, teilte Hoon mit.

Hoon entschuldigte sich wie zuvor bereits Premierminister Tony Blair bei allen Irakern, die nachweislich misshandelt worden seien. Diese Vorgänge seien jedoch Ausnahmen und würden die "herausragende Arbeit" der britischen Soldaten im Irak "unterminieren".

Hoon äußerte Zweifel an der Echtheit von Fotos, die die Misshandlung eines irakischen Gefangenen durch britische Soldaten zeigen. Eine Klärung sei aber noch nicht abgeschlossen. Aber auch diese Anschuldigungen würden untersucht.

Vertreter aller britischen Parteien hatten Auskunft darüber gefordert, was die Regierung Blair seit Bekanntwerden der Folter- und Misshandlungsvorwürfe unternommen hat. Am Freitag hatte ein Bericht des Roten Kreuzes auch Fragen zum Verhalten britischer Soldaten im Irak aufgeworfen. Dem Bericht zufolge waren für die meisten Misshandlungen von Gefangenen allerdings US-Soldaten verantwortlich. Das Rote Kreuz sandte aber auch einen Bericht über das Verhalten britischer Soldaten nach London.

Hoon sagte in Übereinstimmung mit einer Sprecherin von Blair, das Kabinett habe erst "vor sehr kurzer Zeit" Kenntnis von dem Bericht enthalten. Außerdem sei das IKRK im Großen und Ganzen zufrieden mit der Behandlung irakischer Gefangener unter britischer Aufsicht.

Vergangene Woche hatte die Zeitung "The Mirror" Fotos veröffentlicht, die angeblich britische Soldaten zeigten, die auf einen Gefangenen urinierten und diesen schlugen.

Vor dem Hintergrund der Vorwürfe will die Mehrheit der Briten nach einer Umfrage einen raschen Abzug ihrer rund 8000 Soldaten aus dem Irak. Nach einer Umfrage im Auftrag der Zeitung "The Independent" sind derzeit 55 Prozent der Wähler dafür, die britischen Soldaten bis Ende Juni zurückzuholen.

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