Brexit: Botschafter Peter Ammon über die Gründe für den Austritt aus der EU - DER SPIEGEL
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Deutscher Botschafter zum Brexit "Offenbar identifizieren sich einige mit dem, was ihre Väter im Krieg erlebt haben"

Warum haben so viele Briten für den Brexit gestimmt? Dem deutschen Botschafter Peter Ammon zufolge hat das auch historische Gründe. Der Zweite Weltkrieg habe zu einer europaskeptischen Einstellung geführt.
Botschafter Peter Ammon
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Foto: imago/ photothek
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Die Rolle Großbritanniens im Zweiten Weltkrieg hat nach Ansicht des deutschen Botschafters in London, Peter Ammon, indirekt das Votum zum Ausstieg aus der Europäischen Union beeinflusst. Einige Brexit-Befürworter seien von der Idee einer nationalen Identität angetrieben worden, sagte Ammon in einem Interview mit dem "Guardian".  Demnach habe Großbritannien sich damals allein Nazi-Deutschland entgegengestellt. Das habe zu einer europaskeptischen Grundhaltung geführt, die noch bis heute anhalte.

Diese Sichtweise helfe den Briten allerdings nicht dabei, ihre aktuellen Probleme zu lösen, betonte Ammon, der seinen Botschafterposten bald abgeben wird. "Ich habe mit vielen Brexit-Befürwortern gesprochen und viele von ihnen sagten mir, sie wollten eine 'britische Identität' bewahren, die Gefahr laufe, sich in anderen aufzulösen", sagte Ammon. "Offenbar identifizieren sich einige mit dem, was ihre Väter im Krieg erlebt haben, und das gibt ihnen einen persönlichen Stolz."

Ammon zufolge ist ein weiterer Hauptgrund für den Brexit bereits kein Thema mehr: die Flüchtlingsbewegung Richtung EU und Großbritannien. "Ich habe von Offiziellen gehört, dass es überhaupt keine großen Migrationsbewegungen mehr gibt, das Problem scheint also gelöst. Stattdessen suchen die Leute verzweifelt nach Handwerkern und Krankenpflegern aus Osteuropa", sagt Ammon.

Eine Mehrheit der Briten befürwortet inzwischen eine erneute Abstimmung über ein Verlassen der EU. In einer Umfrage für den "Guardian" sprachen sich 47 Prozent der Befragten für eine neue Volksabstimmung aus, 34 Prozent wollen kein weiteres Referendum. Das Ergebnis einer weiteren Brexit-Abstimmung würde nach Einschätzung der Demoskopen knapp ausfallen. Premierministerin Theresa May hat ein erneutes Referendum jedoch wiederholt ausgeschlossen.

Der deutsche Botschafter nannte den Brexit im "Guardian"-Interview eine "Tragödie" und die Abstimmung dazu einen "deprimierenden Moment". Gleichzeitig warnte er Großbritannien davor, sich über den Ausgang der Verhandlungen mit der EU Illusionen zu machen. "Sonst endet das wie bei einer Scheidung, bei der sich gegenseitig die Schuld für alles zugeschoben wird", sagte er.

vks