Interviews im arabischen TV: Bush übt sich in Schadensbegrenzung - DER SPIEGEL
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Interviews im arabischen TV Bush übt sich in Schadensbegrenzung

Der Skandal um die Folterungen irakischer Gefangener in US-Gewahrsam hat die antiamerikanische Stimmung in der arabischen Welt weiter angeheizt. In Interviews mit den Sendern al-Arabija und al-Hurra versuchte US-Präsident George W. Bush nun, die Wogen zu glätten. Er versprach, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen.
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Washington/Bagdad - Die Vorfälle seien "abscheulich", sagte er heute in den Interviews, die ein Millionenpublikum erreichen. Die Verantwortlichen würden vor Gericht gestellt, versprach Bush gegenüber den Sendern al-Arabija und al-Hurra. Die Vorfälle seien nicht repräsentativ für "das Amerika, das ich kenne", sagte Bush. "Auch Demokratien machen Fehler ... aber sie werden untersucht." Es sei sehr wichtig für die Araber zu verstehen, dass die Mehrheit der Soldaten im Irak "anständige Menschen" seien. "Wir tolerieren diese Art von Misshandlungen nicht", fügte Bush hinzu.

US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice entschuldigte sich einem Bericht der "Washington Post" zufolge als erstes Mitglied der US- Regierung wegen der Misshandlung irakischer Gefangener. "Es tut uns sehr Leid, was mit diesen Menschen geschehen ist", sagte Rice in einem von der Zeitung zitierten Interview mit einem arabischen Fernsehsender. Auch der Sprecher der US-Streitkräfte im Irak, Mark Kimmitt, entschuldigte sich für die "beschämenden Vorfälle".

Das ganze Ausmaß der Misshandlungen ist noch unklar. Wie US- Generalmajor Donald Ryder berichtete, starben in Militärgefängnissen in Afghanistan und im Irak seit Dezember 2002 insgesamt 25 Gefangene. Zwei Inhaftierte seien vermutlich von US-Soldaten getötet worden.

Vor dem berüchtigten Gefängnis Abu Ghureib im Westen von Bagdad demonstrierten am Mittwoch mehrere hundert Iraker. Auf Spruchbändern forderten sie: "US-Armee, geh nach Hause!". Die schon unter Saddam Hussein verrufene Haftanstalt wird nun von der Besatzungsmacht genutzt. US-Medien hatten jüngst Fotos veröffentlicht, die zeigten, wie amerikanisches Wachpersonal, darunter auch Frauen, dort zum Teil nackte Häftlinge misshandelten und sexuell missbrauchten.

Die Fotos zeigen nach Angaben des Roten Kreuzes noch nicht das wahre Ausmaß der Übergriffe. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) wisse seit langem, dass sich in dem Gefängnis "schlimmere Sachen als auf den Fotos" abspielten, sagte die IKRK-Sprecherin Antonella Notari der Pariser Zeitung "Le Monde".

Im Irak kamen bei Kämpfen und Anschlägen mehrere Menschen ums Leben. Bei Gefechten zwischen Koalitionstruppen und Anhängern des Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr wurden in der Nacht in Kerbela und in Diwanija ein Soldat der Multinationalen Division und elf Iraker getötet. In Haswa südlich von Bagdad starben drei Iraker bei der Explosion eines Sprengsatzes. Im nahe gelegenen Mahmudija wurde der örtliche Chef des irakischen Zivilschutzes getötet.

In den USA forderten demokratische und republikanische Senatoren eine öffentliche Anhörung im Kongress. Die demokratische Senatorin Hillary Clinton meinte, die "ungeheuerlichen und kriminellen Vorfälle und die vielen Ungereimtheiten müssen geklärt werden". Auch der republikanische Vorsitzende des Streitkräfte-Ausschusses im Senat, John Warner, verlangte eine öffentliche Anhörung. Nach Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kündigte auch Außenminister Colin Powell eine lückenlose Aufklärung der Foltervorwürfe an.