Kämpfe in Falludscha: Scheichs wollen schlichten - DER SPIEGEL
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Kämpfe in Falludscha Scheichs wollen schlichten

Islamische Würdenträger aus dem gesamten Irak sind auf dem Weg in die umkämpfte sunnitische Hochburg Falludscha. Laut dem US-Sender CNN wollen sie sich um einen zweiwöchigen Waffenstillstand bemühen. Die US-Streitkräfte setzten ihre Offensive jedoch fort.
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Falludscha/New York - Heute Mittag kreisten abermals US-Kampfflugzeuge über der Stadt, anschließend waren drei gewaltige Explosionen zu hören. Eine schwarze Rauchwolke stieg auf. Zuvor drang stundenlang Gefechtslärm aus dem Südosten der westlich von Bagdad gelegenen Stadt.

Bereits gestern Nacht wurde die Stadt Schauplatz heftiger Gefechte zwischen US-Streitkräften und Aufständischen. Die USA setzten Kampfflugzeuge und Artillerie gegen die Rebellen ein, die sich im Stadtviertel Dscholan verschanzten. Nach Angaben von CNN waren während der Luftangriffe Gebetsaufrufe aus Moscheen zur hören. Die beschossenen Stellungen sollen sich in dem Gebiet befunden haben, in dem am Montag ein US-Elitesoldat getötet und neun weitere verletzt wurden. Die Aufständischen seien gut organisiert und sehr aktiv.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld warf den Aufständischen vor, unter klarer Verletzung der Genfer Konventionen US-Soldaten aus Moscheen heraus anzugreifen. Bei den Aufständischen handelt es sich nach seiner Darstellung um Terroristen sowie Anhänger des gestürzten Regimes von Saddam Hussein. Es gebe nur die Möglichkeit, sie mit Gewalt oder Verhandlungen aus der Stadt zu vertreiben.

Gestern lief eine verlängerte Waffenruhe ab; eigentlich sollten ab morgen US-Marineinfanteristen zusammen mit irakischen Polizisten in Falludscha auf Streife gehen. Erste irakische Polizisten patrouillierten am Morgen mit leichten Waffen auf den Hauptstraßen von Falludscha.

In der Stadt Kud wurden heute zudem ein ukrainischer Soldat getötet und zwei seiner Landleute verletzt. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministers sind für den Überfall "Banditen" verantwortlich.

In Bagdad und der schiitischen Stadt Nadschaf gab es bereits gestern zum Teil heftige Gefechte. In Nadschaf wurden nach US-Angaben 64 Iraker getötet, die Krankenhäuser der Stadt berichteten von 37 Toten. In Bagdad wurde ein US-Soldat getötet, womit in diesem April genauso viele amerikanische Soldaten in Gefechten umkamen wie im gesamten Irak-Feldzug vor einem Jahr. Auf irakischer Seite wurden etwa 1200 Menschen getötet.

Die anhaltenden Kämpfe beeinträchtigen auch die von den USA für den 30. Juni geplante Übergabe der zivilen Verwaltung an die Iraker. Der amerikanische Uno-Botschafter und designierte Botschafter im Irak, John Negroponte, räumte ein, dass die Befugnisse der Übergangsregierung nur begrenzt sein würden, Gesetze werde sie wahrscheinlich nicht verabschieden können. Die USA würden auch die Sicherheitskräfte weiter kontrollieren.

Uno-Sondergesandter hält an Machübergabe bis Juni fest

Der Uno-Sondergesandte für den Irak, Lakhdar Brahimi, forderte vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, bis Ende Mai die Mitglieder der Übergangsregierung zu benennen, damit sich diese auf die Übernahme der Macht vorbereiten könne. Die Machtübergabe Ende Juni und Wahlen im Januar 2005 seien machbar, auch wenn es hier noch zahlreiche Hindernisse gebe, erklärte Brahimi. Seinen Vorschlägen zufolge sollte die Regierung aus einem Staats- und Ministerpräsidenten sowie zwei Vizepräsidenten bestehen.

"Je schneller eine glaubwürdige irakische Regierung im Amt ist, desto besser", sagte Brahimi. "Denn genau das Fehlen einer souveränen Regierung ist eines der größten Probleme." Brahimi erläuterte auch seinen Vorschlag, im Juli eine irakische Nationalkonferenz einzuberufen, "um einen echten nationalen Dialog über die Herausforderungen des Landes" herbeizuführen. Brahimi sprach sich dafür aus, die Konferenz von einem irakischen Komitee vorbereiten und organisieren zu lassen und nicht wie in Afghanistan von den Vereinten Nationen.

Spanien will Uno und Deutschland einbinden

Unterdessen will Spanien nach Angaben aus Regierungskreisen in Madrid gemeinsam mit Deutschland und Frankreich über eine Lösung für den Irak-Konflikt mit Unterstützung der Vereinten Nationen beraten. "Die Idee ist zu sehen, ob Spanien, Frankreich und Deutschland den USA dabei helfen können, eine Lösung im Irak zu finden", hieß es in den Kreisen. Außerdem gehe es darum, eine neue Formel für eine internationale Präsenz im Irak zu finden, die von der Bevölkerung des Landes nicht länger als Besatzung empfunden werde.

Spaniens sozialistischer Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero trifft heute Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin und am Tag darauf Frankreichs Präsident Jacques Chirac in Paris. Zapatero sagte, spätestens am 27. Mai solle der letzte der noch von der konservativen Vorgängerregierung in den Irak entsandten spanischen Soldaten zurückgekehrt sein. Deutschland und Frankreich gehörten zu den schärfsten Gegnern der US-Invasion im Irak.

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