Kämpfe in Mazedonien Trügerische Ruhe
Skopje/Tetovo - In der umkämpften Ortschaft Gajre, in der sich am Vortag Soldaten und albanische Rebellen heftige Feuergefechte geliefert hatten, wagten sich einige Einwohner wieder aus ihren Verstecken. Tote Tiere lagen auf den Straßen, von mehreren Gebäuden stieg Rauch auf. Hunderte Menschen waren vor der Offensive in das Kosovo geflohen.
Die mazedonische Regierung zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Militäroffensive gegen die albanischen Rebellen. Ministerpräsident Ljubco Georgievski sagte, Schlüsselpositionen in der Umgebung von Tetovo seien besetzt worden. Regierungssprecher Antonio Milososki sprach von einer planmäßig verlaufenden Operation und kündigte weitere Offensiven gegen die Rebellen an.
Die Sicherheitskräfte hätten nach dem ersten Tag des Vorrückens keine Toten zu beklagen. Zwei Soldaten, ein Polizist und vier Zivilisten hätten leichte Verwundungen erlitten. Die Streitkräfte räumten jedoch ein, dass die Rebellen schwer bewaffnet seien. "Die Kommandeure habe bestätigt, dass wir es mit organisiertem, terroristischem Widerstand zu tun haben", sagte Oberst Blagoja Markovski am Sonntag.
Hunderte sind auf der Flucht
Fast alle 1200 Bewohner des Dorfes Vejce verließen ihre Häuser in Richtung Kosovo, nachdem mazedonische Militärhubschrauber Soldaten in der Region abgesetzt hatten, wie Einwohner erklärten. Einige Flüchtlinge sagten, die Hubschrauber hätten auf sie geschossen. "Während wir durch die Berge gingen, tauchten Hubschrauber auf und schossen in die Wälder, die voller Flüchtlinge waren", sagte Arif Azemi nach einem zehnstündigen Marsch in das Kosovo.
Das Bergdorf Donje Ljubinje nahm nach offiziellen Zählungen 600 Flüchtlinge auf und brachte sie bei Gastfamilien unter. Im nahe gelegenen Gornje Ljubinje kamen mehr als 100 Menschen unter. Das Uno-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) teilte mit, weitere 250 Menschen seien in Prizren eingetroffen. Die meisten Flüchtlinge waren Frauen und Kinder, junge Männer blieben vielfach zurück. Die Einwohner von Donje Ljubinje erklärten sich zur Hilfe bereit. `Vor zwei Jahren sind wir zu ihnen gelaufen, darum helfen wir ihnen jetzt", sagte der 37-jährige Muhamed Rama.
EU-Friedensbemühungen
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Nato-Generalsekretär George Robertson und der EU-Beauftragte für die Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, reisten am Montag zu politischen Gesprächen nach Mazedonien. Solanas Sprecherin Cristina Gallgach sagte, beide wollten der mazedonischen Regierung ihre Unterstützung aussprechen, sie aber auch zur Mäßigung und Zurückhaltung auffordern.
Die oppositionelle Partei der albanischen Minderheit im Kosovo kündigte an, sie werde ab Montag Sitzungen des Parlaments boykottieren. Der Parteivorsitzende Imer Imeri erklärte, Präsident Boris Trajkovski müsse die Offensive der Streitkräfte beenden. Gleichzeitig forderte er die Rebellen auf, ihre Waffen niederzulegen.