Kandahar: Belagerungsring wird immer enger - DER SPIEGEL
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Kandahar Belagerungsring wird immer enger

Die letzte Taliban-Hochburg Kandahar steht offenbar vor dem Fall: Am Samstag morgen meldete der britische Fernsehsender BBC, dass Anti-Taliban-Kämpfer am Flughafen der südafghanischen Stadt in Stellung gegangen seien.
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Kabul/Islamabad - Es handele sich um zwei Einheiten paschtunischer Volksgruppen, hieß es. US-Kampfflugzeuge setzten unterdessen ihre Luftangriffe auf Kandahar und Umgebung fort. Ziel seien auch Verstecke von Mitgliedern des Terrornetzwerks al Qaida teilten Sprecher der US-Streitkräfte mit.

Das afghanische Taliban-Regime will nach den Worten eines Sprechers seine letzte verbliebene Bastion nicht kampflos aufgeben. Der frühere Taliban-Botschafter in Pakistan, Mullah Abdul Salam Saif, sagte nach Angaben der privaten afghanischen Nachrichtenagentur AIP, die Talibanführer würden bis zum Tode kämpfen. "Sie ziehen einen ehrenvollen Tod einem Leben in Schande vor", sagte Saif. Talibanchef Mullah Mohammed Omar habe seine Truppen zum erbitterten Widerstand aufgerufen.

Dagegen hatte ein hoher US-General zuvor erklärt, Anti-Taliban-Kämpfer hätten bereits Kapitulationsgespräche mit radikalen Islamisten bei Kandahar begonnen. Einzelheiten über diese Verhandlungen wurden aber nicht bekannt. Die USA hatten zuvor deutlich gemacht, sie würden keine Einigung akzeptieren, die Talibanführer Mullah Mohammed Omar freien Abzug gewährt. Sollten Mullah Omar oder Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida der afghanischen Opposition in die Hände fallen, würden die USA alles daran setzen, die Leute in US-Gewahrsam zu nehmen.

Bislang hätten die US-Streitkräfte keine eigenen Gefangenen gemacht. Die Oppositionskräfte hielten aber tausende Gefangene fest und seien dabei, ihre Identität zu prüfen.

Rumsfeld betonte erneut, der Krieg sei in einer gefährlichen Phase. "Ironischerweise könnte die Gefahr für Koalitionsstreitkräfte wachsen, während das Gebiet, das die Taliban kontrollieren, kleiner wird", sagte Rumsfeld. "Wir stehen am Anfang der Kampagne, und es wird Opfer geben", warnte Rumsfeld. "Wir werden uns davon jedoch nicht abschrecken lassen. Das wird im Gegenteil unsere Entschlossenheit stärken, die Terroristen, und alle, die sie unterstützen, auszurotten."

Paschtunischer Ex-Gouverneur warnt die Nordallianz

Der ehemalige Gouverneur von Kandahar, Gul Agha, warnte die Nordallianz davor, die Stadt einzunehmen. Der Paschtunenführer verbittet sich jegliche Einmischung aus anderen Provinzen. "Wenn wir ihre Hilfe brauchen, werden wir sie bitten", ließ er einen Sprecher sagen. Gul Agha wartet nach eigenen Angaben mit einer Truppe von 3000 Mann wenige Kilometer südlich des Flughafens von Kandahar. Derzeit gebe es jedoch keine Pläne, in die Stadt vorzurücken. Meldungen der Nordallianz, sie sei bereits in Kandahar eingerückt, wurden von den Paschtunen als Bluff abgetan.

Gestern hatte der stellvertretende Verteidigungsminister der Nordallianz, Bismillah Chan, unter Berufung auf seine Feldkommandeure berichtet, seine Kämpfer seien in die südafghanische Stadt eingedrungen. Am Freitag sagte ein Sprecher Chans, dass außerhalb der Stadt gekämpft werde. US-Flugzeuge flogen nach Angaben der Nordallianz unvermindert Angriffe auf Taliban-Stellungen in Kandahar.

Stammeskämpfer aus dem Süden Afghanistans, die an der Seite der Nordallianz gegen die Taliban kämpfen, nahmen nach Angaben einer ihrer Führer in der Nähe des Flughafens von Kandahar 80 Taliban-Soldaten gefangen. Sie hätten die Soldaten am Freitagmorgen eingekesselt und aufgefordert, die Waffen niederzulegen, sagte Abdul Dschabbar in Pakistan. Seine Kämpfer hätten von den Taliban auch Waffen erbeutet, darunter fünf Panzer und einige Raketenwerfer.

Nach Einschätzungen westlicher Geheimdienste hat Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar inzwischen möglicherweise auch die Unterstützung seines Geheimdienstchefs Kari Amadullah verloren, den der schnelle Zerfall der Bewegung angeblich desillusioniert hat. In Washington hieß es, es gebe glaubwürdige Berichte, wonach Amadullah zur Nordallianz übergelaufen sei. Amadullah könnte wertvolle Informationen über den Aufenthaltsort des Islamisten-Führers Osama Bin Ladens liefern. Ein Vertreter des Pentagons sagte demgegenüber, Amadullah verhandele immer noch über seine Aufgabe.