Luft- und Bodenoffensive: Vorstoß auf Kabul - DER SPIEGEL
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Luft- und Bodenoffensive Vorstoß auf Kabul

Offiziell akzeptieren die USA die Nordallianz nicht als Partner im Kampf gegen die Taliban. Doch in der Taktik der Amerikaner spielt die afghanische Opposition eine immer wichtigere Rolle: Jetzt sollen US-Flugzeuge den Kämpfern der Nordallianz offenbar den Weg nach Kabul frei bomben.
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Dschebel Saradsch - Die Kampfflugzeuge bombardierten am Mittwoch Taliban-Stellungen an der Front nördlich von Kabul. Konkrete Anzeichen für eine Offensive der Oppositionstruppen auf Kabul gab es aber zunächst noch keine. Geländegewinne vermeldete die Allianz dagegen in der Nähe der strategisch wichtigen Stadt Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans. Dort sollen die Truppen in der Nacht bis zum Stadtrand vorgestoßen sein.

Augenzeugen sagten, während der US-Angriffe sei kein Flugabwehrfeuer zu hören gewesen. Hinter der Front seien am späten Dienstagabend ein Dutzend und am Mittwochmorgen zwei Bomben abgeworfen worden. Die Front verläuft etwa 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Auf einige Explosionen folgten laut Augenzeugen bis zu 30 kleinere Detonationen. Nach Darstellung der Nordallianz zwangen ihre Truppen die Taliban-Einheiten rund 40 Kilometer südlich von Masar-i-Scharif zum Rückzug. 500 Taliban-Soldaten seien übergelaufen.

Die Taliban-nahe Nachrichtenagentur Bachtar berichtete, bei Bombenexplosionen in der Nähe von Kabul sowie in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad seien mindestens zehn Menschen getötet und 19 weitere verletzt worden. Die Angaben konnten nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Der Kapitän des Flugzeugträgers "USS Theodore Roosevelt" wies am Mittwoch vor Journalisten die Kritik zurück, die Angriffe, die täglich von seinem Schiff aus starteten, hätten nichts gebracht. Tatsächlich seien viele Ziele in dem Bemühen, "das Rückgrat der Taliban-Armee zu brechen, erreicht worden, sagte Richard O'Hanlon. Nach seiner Einschätzung hat es bereits "substanzielle Fortschritte" gegeben. Es werde allerdings noch dauern, bis der Kampfgeist der Taliban endgültig gebrochen sei.

Bush: Bin Laden will Massenvernichtungswaffen beschaffen

US-Präsident George W. Bush erklärte unterdessen, das Terrornetzwerk des Islamistenführers Osama Bin Laden wolle sich Massenvernichtungswaffen beschaffen. Dieser Plan müsse sehr ernst genommen werden, sagte er Washington. Wenn die Terroristen an Chemie-, Bio- oder Atomwaffen herankämen, "wären sie eine Bedrohung für jeden Staat und möglicherweise für die Zivilisation überhaupt". Deshalb werde die USA den militärischen Druck auf Bin Laden und die afghanischen Taliban "unbarmherzig" aufrechterhalten.

Bush erklärte am Dienstag nach einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac, das Terrornetzwerk al-Qaida habe Verbindungsleute in mehr als 60 Staaten. Bin Laden nannte er einen "bösen Mann". Dieser habe angekündigt, Massenvernichtungswaffen herstellen zu wollen, "und das müssen wir ernst nehmen". In diesem Konflikt könne sich kein Staat neutral verhalten.

Bush bekräftigte nach dem Treffen mit Chirac auch, dass man die Bemühungen für eine politische Lösung verstärken werde. Am Montag hatte Bush den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika empfangen, am Mittwoch erwartet er den britischen Premierminister Tony Blair, am Wochenende wird er zum ersten Mal mit dem pakistanischen Präsidenten und Militärmachthaber General Pervez Musharraf zusammenkommen.

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