Mullah Omar Flucht auf dem Motorrad?
Kabul/Washington/Islamabad - Der Geheimdienst von Kandahar ist davon überzeugt, dass der Talibanchef erneut fliehen konnte: "Wir wissen von unserem Geheimdienst, dass Mullah Omar nicht in Baghran ist und nicht in der Provinz Helmand", sagte ein Mitarbeiter des Büros von Hadschi Gullalai in Kandahar. Es sei unklar, wo sich der Flüchtige jetzt aufhalte. Einem afghanischen Beamten zufolge soll Omar auf einem Motorrad aus seinem Versteck entwischt sein.
Stammesälteste und die US-Streitkräfte waren davon ausgegangen, dass sich Mullah Omar in den Bergen um Baghran versteckt hält. Die Region liegt im Norden der Provinz Helmand. Mullah Omar soll sich dorthin zurückgezogen haben, nachdem er Kandahar am 7. Dezember aufgegeben hatte. Auch der Außenminister der Interimsregierung in Kabul, Abdullah Abdullah, hatte zuvor erklärt, Omar sei in dem Zufluchtsort von Soldaten umzingelt. Ein afghanischer Geheimdienstmitarbeiter hatte am Freitag gesagt, die Verhandlungen über ein Aufgeben Omars gingen weiter.
Aber auch die USA geben zu, nichts Genaues über den Aufenthaltsort Omars zu wissen. "Wir wissen nicht, wo Omar ist", sagte der US-Befehlshaber des Afghanistan-Einsatzes, General Tommy Franks, am Freitag in Tampa. "Wenn wir wüssten, wo Omar ist, dann würden wir wahrscheinlich ziemlich schnell handeln."
Afghanistan will Omar ausliefern
Die afghanische Regierung erklärte sich indes bereit, Omar an die USA ausliefern, bestätigte aber ebenfalls Berichte über seine Verhaftung nicht. "Ich glaube nicht, dass er schon gefangen genommen wurde. Wenn er gefangen wäre, dann wüsste ich es", sagte der Chef der Übergangregierung, Hamid Karzai, dem US-Fernsehsender ABC.
In den USA wurden Berichte über Verhandlungen mit etwa 1500 Taliban-Kämpfern in der Region Baghran über eine Kapitulation und die Übergabe Omars angezweifelt. US-Regierungsvertreter wurden in der Presse mit dem Verdacht zitiert, die Verhandlungen dienten nur als Ablenkung, um Omar die Flucht zu ermöglichen.
Derweil wollen die Amerikaner mit einem Bild von Bin Laden mit Schnurrbart und in westlicher Kleidung al-Qaida-Kämpfer zur Auslieferung ihres Führers bewegen. Neben den Flugblättern fielen aber auch wieder Bomben. Angeblich starben dabei mehr als 30 Zivilisten.
Das Pentagon ließ die Flugblätter verteilen, in denen ehemalige al-Qaida-Kämpfer aufgefordert werden, Hinweise über den Aufenthaltsort ihres Anführers Osama Bin Laden zu geben. In dem Text heißt es, der Terroristenführer habe sie verraten. Auf der Rückseite ist eine Fotomontage zu sehen, wie Bin Laden mit Schnurrbart aussehen könnte. Statt seiner üblichen Kampfkleidung trägt er auf dem Foto eine helle Anzugjacke.
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Bei den ersten US-Luftangriffen im neuen Jahr auf vermutete Taliban-Verstecke sind nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP über 30 Dorfbewohner getötet worden. Das Pentagon bestätigte die Angriffe mit B-52-Bombern, nannte das Ziel jedoch eine Anlage des Talibanführers. Der oberste Führer der entmachteten Taliban, Mullah Mohammed Omar, ist weiterhin auf der Flucht, und das Pentagon verstärkte auch die Suche nach ihm mit Flugblättern und einer Fotomontage.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AIP wurden bei dem Angriff zwei Dörfer schwer beschädigt, weshalb die Opferzahl noch steigen könne. Ziel der Luftattacken sei die Stadt Zhawar in der östlichen Provinz Khost gewesen, wo der ranghohe Taliban-Anführer Maulana Dschalaluddin Hakkani vermutet wurde, meldete AIP weiter.
Ein Pentagonsprecher erklärte, die B-52-Bomber hätten gegen 8 Uhr MEZ am Freitag erneut angegriffen, nachdem sie die Anlage bereits am Donnerstag bombardiert hatten. Generalstabschef Richard Myers teilte mit, die Taliban-Anlage bei Khost in der Nähe der pakistanischen Grenze sei ein Ausbildungslager gewesen, an dem al-Qaida-Mitglieder sich neu formiert hätten.
FBI: Noch zahlreiche Hinweise auf eine Bedrohung
In den USA verlängerte das FBI unterdessen seine Terrorwarnung bis zum 11. März. Die Bürger wurden damit zu verstärkter Aufmerksamkeit aufgefordert. 18.000 Polizeidienststellen im ganzen Land wurden alarmiert. In der Warnung heißt es, es gebe weiterhin zahlreiche Hinweise auf eine Bedrohung. Die Verlängerung bis zum 11. März bedeutet, dass die Warnung noch während der Olympischen Spiele in Salt Lake City gilt. Zudem ist es dann an diesem Tag genau sechs Monate her, dass die Terroranschläge in den USA verübt wurden.