Nahost: US-Appelle lassen Scharon kalt - DER SPIEGEL
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Nahost US-Appelle lassen Scharon kalt

Trotz aller internationaler Appelle, wieder auf einen friedlicheren Kurs einzuschwenken, haben die Israelis ihre Angriffe in den Autonomiegebieten fortgesetzt. Mindestens 13 Palästinenser sollen durch die Attacken ums Leben gekommen sein. Aber auch die Palästinenser reagierten mit einem Anschlag.
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Jerusalem - In der Empfangshalle eines Hotels in der jüdischen Siedlung Ariel im Westjordanland zündete ein Palästinenser eine Bombe, die nach Polizeiangaben den Attentäter tötete und mindestens fünf Siedler verletzte. Ein Augenzeuge sprach im Rundfunk von "sieben oder acht Verletzten". Einer von ihnen sei schwer verwundet. In einem Telefonanruf bei der Nachrichtenagentur AP bekannte sich die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) zu dem Anschlag. Kurz vor dem Anschlag im Westjordanland war in Jerusalem ein Palästinenser überwältigt worden, der versucht hatte, mit einer Bombe ein Café zu betreten.

Auf der anderen Seite starben allein acht Palästinenser nach Angaben von Ärzten bei Kämpfen in zwei Flüchtlingslagern bei Tulkarm. Mehr als 80 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge waren in der Nacht aus drei Richtungen in die im Westjordanland gelegene Stadt eingerückt. Sie umstellten die beiden Flüchtlingslager Tulkarm und Nur Schams, wo sie nach Angaben von Augenzeugen auf den Widerstand der Bewohner stießen. Eine von den Vereinten Nationen geführte Schule sei als Befehlsposten besetzt worden, sagte der palästinensische Funktionär Hamdi Darduk. Die 27 Flüchtlingslager im Westjordanland und im Gaza-Streifen gelten als Hochburgen militanter Palästinenser.

Weitere Ziele der Offensive im Westjordanland waren eine Behördenzentrale in Betlehem, die von Kampfflugzeugen bombardiert wurde, und Halhul bei Hebron, wo Kampfhubschrauber zwei Raketen auf ein Gebäude der palästinensischen Polizei abschossen. Im Dorf Siris erschossen israelische Soldaten einen Funktionär der militanten Organisation Islamischer Dschihad.

Kampfhubschrauber schossen am späten Mittwochabend zwei Raketen auf den Amtssitz des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat in der Stadt Ramallah. Zu diesem Zeitpunkt traf Arafat gerade eine Delegation der Europäischen Union mit ihrem Nahostbeauftragten Miguel Moratinos. Die Raketen schlugen zwar nach Angaben eines EU-Sprechers in einem anderen Gebäudeteil ein, unterbrachen aber die Stromversorgung. Die EU-Delegation musste mit Taschenlampen in Sicherheit gebracht werden.

Im Gaza-Streifen wurde ein palästinensischer Kontrollposten von Schnellbooten aus beschossen. Später griffen Kampfflugzeuge die palästinensische Polizeizentrale in Gaza an. Kinder einer nahe gelegenen Schule ergriffen die Flucht, wie Augenzeugen berichteten.

Der Druck der USA auf Ministerpräsident Ariel Scharon wird indes immer stärker. Außenminister Colin Powell forderte Scharon zu einer Überprüfung seiner Politik auf. Im Kongress in Washington sagte Powell an die Adresse Scharons: "Wenn Sie Krieg gegen die Palästinenser erklären und denken, Sie können das Problem lösen, indem Sie so viele Palästinenser wie möglich töten - ich weiß nicht, ob das zu was führt."

Nach Informationen der "New York Times" hat die US-Regierung beschlossen, ihre uneingeschränkte Unterstützung für Israel zu beenden. Regierungsvertreter hätten erklärt, dass ein weiteres Schweigen Washingtons zu dem harten Vorgehen Israels als grünes Licht für eine weitere Eskalation verstanden werde.

Einen eindringlichen Appell richtete auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan an beide Seiten. Er nahm Arafat und Scharon in die Pflicht, die Gewalt zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Die Geschichte wird streng über Sie urteilen, und Ihre Völker werden Ihnen nicht verzeihen, wenn Sie damit scheitern", sagte Annan. Er sei entsetzt über die zunehmende Zahl von Todesopfern und über die zunehmend aggressive Rhetorik beider Seiten. "Die Situation ist eindeutig außer Kontrolle und die Gefahren sind groß."

Unterdessen bekräftigte Scharon vor Soldaten, dass der Feldzug gegen die Palästinenser so lange entschlossen fortgeführt werden müsse, "bis die andere Seite einsieht, dass sie nichts durch Terror erreichen kann und es einfacher ist, Verhandlungen zu beginnen".

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