Ostersegen des Papstes "Friede dem Irak"
Rom - Mit Sorge äußerte er sich zum Verhältnis zwischen Christentum und Islam. Es müsse unbedingt verhindert werden, dass der Krieg zu einem "dramatischen Konflikt zwischen den Kulturen und den Religionen" beiträgt, sagte der Kirchenführer auf dem Petersplatz. Anschließend spendete er den Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis).
Der Krieg im Irak und der Hinweis auf die Opfer von Gewalt zogen sich wie ein roter Faden durch die österlichen Papstreden. "Friede dem Irak! Mit Unterstützung der Völkergemeinschaft mögen die Iraker zu Protagonisten des solidarischen Wiederaufbaus ihres Landes werden", sagte der Papst. Zugleich erinnerte er an die Spannungen im Heiligen Land und an die vielen "vergessenen Kriege und schleichenden Konflikte" in Afrika und anderen Teilen der Dritten Welt.
Trotz grauen Himmels und zeitweisen Regens waren Zehntausende Gläubige und Touristen auf den Peterplatz gekommen, darunter viele Deutsche. Der fast 83-jährige Kirchenführer machte trotz der Strapazen der viertägigen Osterfeiern einen gesundheitlich gefestigten Eindruck und sprach mit vergleichsweise klarer Stimme. Den Ostergruß erbrachte er in 62 Sprachen, auf Deutsch sagte er: "Euch allen gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch!"
"Die Welt ist zum Friedhof geworden"
"Es zerbreche die Kette des Hasses, die eine geordnete Entwicklung der Menschheitsfamilie bedroht!", rief der Führer von weltweit einer Milliarde Katholiken in seiner Predigt. "Gott gewähre uns, von der Gefahr eines dramatischen Konflikts zwischen den Kulturen und den Religionen verschont zu werden." Die Gläubigen sollten daher selbst mit Dialog und Verständigung zwischen den Religionen beginnen.
Der Papst hatte vor Beginn des militärischen Angriffs auf den Irak die politischen Führer in Washington und Bagdad immer wieder aufgerufen, den Konflikt friedlich zu lösen. Er gilt als klarer Kriegsgegner. Bei der Karfreitagsprozession hatte er ausdrücklich auf das Leid der unschuldigen Opfer in der Welt hingewiesen. "Können wir denn angesichts des Schmerzensschreis in so vielen Teilen der Welt gleichgültig bleiben?" In seiner bereits 1976 selbst geschriebenen Meditation zum Kreuzweg um das Kolosseum hieß es: "Die Welt ist zum Friedhof geworden." In der Nacht zum Sonntag feierte Johannes Paul die Osterwache im Petersdom, dabei taufte er mehrere Gläubige.