Siegerjustiz "Saddam verdient die Höchststrafe"
Washington - "Wenn Saddam nicht zum Tode verurteilt wird, wären Sie dann enttäuscht?", fragte die Interviewerin Diane Sawyer den US-Präsidenten beim TV-Sender ABC. "Ich finde, er verdient die Höchststrafe", antwortete Bush. "Er ist ein Folterer, ein Mörder, ein abscheulicher Tyrann ... Aber über (die Strafe) entscheidet nicht der US-Präsident, sondern das irakische Volk."
Amerikaner sind nach Angaben von Bush zwar nicht an dem Prozess gegen Saddam beteiligt. Das Verhör des früheren irakischen Staatschefs haben jedoch CIA-Agenten übernommen. Die Mitarbeiter des US-Geheimdienstes bestimmten die Fragen und entschieden, wie mit den Informationen, die Saddam möglicherweise preisgebe, umgegangen werde, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Er halte es für möglich, dass Saddam etwa Verstecke illegaler Waffen nennen könnte. "Ich kann mir fast alles vorstellen", sagte Rumsfeld auf eine entsprechende Frage. Die USA hatten vermeintliche Massenvernichtungswaffen im Irak als Hauptgrund für den Krieg genannt. Bislang sind jedoch keine biologischen oder chemischen Waffen gefunden worden.
US-Truppen haben im Irak unterdessen nach eigenen Angaben eine Terrorzelle zerschlagen. Dabei sei auch ein Geldgeber der Anschläge gegen amerikanische und andere ausländische Soldaten gefasst worden, sagte Major Jocelyn Anerle dem US-Sender CNN. Der Mann sei Mitglied von Saddams Fedajin-Miliz gewesen, habe aber nicht auf der Liste der 55 meistgesuchten Iraker gestanden. Anerle bezeichnete die Position des Mannes als "mittleres Management".
Bei den Razzien in der Nähe der Stadt Samarra zwischen Bagdad und Tikrit seien zudem 73 "Männer im wehrfähigen Alter" festgenommen worden. Sie seien in einem Haus bei einer Versammlung überrascht worden. "Wir glauben, dass wir eine mögliche Terrorzelle zerschlagen haben", sagte Anerle. Unter anderem seien mehr als 80 Kilogramm Schießpulver sowie zahlreiche Waffen und Munition sichergestellt worden.
Uno-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete die Gefangennahme Saddams als günstige Gelegenheit für einen "neuen Anfang" im Irak. Er forderte die Iraker und die Besatzungsmacht USA auf, Klarheit über die von den Uno erwartete Rolle zu schaffen.