Tora Bora Bin Laden verkriecht sich tiefer in seinem Berg
Tora Bora - Bin Laden halte sich demnach noch in der Gegend um Tora Borauf, berichtet die "New York Times". "Er geht höher und weiter in seinen Komplex aus Höhlen und Tunneln", berichtete ein US-Militär. Die afghanischen Milizen hatten die al-Qaida-Kämpfer ultimativ aufgefordert, Tora Bora bis Mittwoch 8 Uhr (4.30 Uhr MEZ) bedingungslos zu übergeben. Nach Ablauf der Frist bombardierte ein US-B-52-Bomber wieder die in die Enge getriebenen Kämpfer. Stammesführer der afghanischen Ostallianz sagten, nach Verstreichen des Ultimatums habe sich niemand ergeben. Aus dem noch von al-Qaida gehaltenen Gebiet war stattdessen heftiger Gefechtslärm zu hören.
Die Unterhändler der arabischen Kämpfer unter den Eingekesselten erklärten gegenüber örtlichen Milizen, sie wollten sich nur den Vereinten Nationen ergeben. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP. Die Araber forderten außerdem, Diplomaten aus ihren Ländern müssten bei der Übergabe anwesend sein.
Am Dienstag hatte es noch geheißen, die eingekesselten al-Qaida-Kämpfer hätten sich zur Kapitulation bereit erklärt. Der Militärchef der afghanischen Milizen bei Tora Bora, Mohammed Saman, hatte einen Waffenstillstand ausgerufen und betont, die Kämpfer müssten sich bedingungslos ergeben. Sie würden dann der internationalen Gemeinschaft übergeben, um sie vor Gericht zu stellen.
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"Wir haben gesiegt. Wir haben eine ganze Reihe von Höhlen erobert", berichtete ein Kommandeur der Anti-Taliban-Truppen, Hasrat Ali. Möglich wurde dies durch pausenlose US-Luftangriffe, nächtliche Vorstöße amerikanischer Spezialeinheiten und dem Dauerbeschuss aus Panzern. Viele al-Qaida-Kämpfer seien nach der Vertreibung aus der Festung auf der Flucht nach Pakistan. Die Regierung in Islamabad setzte nach Angaben des pakistanischen Geheimdienstes 4000 Soldaten zur Kontrolle möglicher Fluchtwege ein. Von Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar fehlte weiter jede Spur.
Großbritannien hatte am Dienstag angeboten, die Führung der geplanten Friedenstruppe in Afghanistan zu übernehmen. Es müssten allerdings noch viele Details geklärt werden, sagte der britische Premierminister Tony Blair auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Außenminister Colin Powell in London. Dieser begrüßte das Angebot. Als nächster Schritt müsse nun eine Uno-Resolution herbeigeführt werden, sagte Powell.
Der Uno-Gesandte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, traf unterdessen zu Gesprächen über die Zukunft des Landes in Kabul ein. Die Interimsregierung unter dem designierten Ministerpräsidenten Hamid Karzai soll ihre Arbeit am 22. Dezember aufnehmen. Die Kritik an der auf dem Petersberg bei Bonn ausgehandelten Regierungszusammensetzung hält jedoch an. Der usbekische Milizführer Abdul Raschid Dostam, der sich gegen die Regierung gestellt hatte, habe ihm jedoch in einem Brief seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit zugesichert, erklärte Brahimi.