Türkei: Gül vor der Wahl zum Präsidenten - DER SPIEGEL
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Türkei Gül vor der Wahl zum Präsidenten

In der Türkei läuft der Countdown: Die Wahl des neuen türkischen Präsidenten geht in die dritte und entscheidende Runde - aussichtsreichster Kandidat ist Außenminister Abdullah Gül. Seine Kandidatur hatte im Mai eine Staatskrise ausgelöst.
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Ankara - Außenminister Abdullah Gül von der religiös-konservativen Regierungspartei AKP will Nachfolger von Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer werden. Die Chancen, dass Gül gewählt wird, stehen gut: Im Gegensatz zu den ersten beiden Wahlgängen, in denen im Parlament eine Zwei-Drittel-Mehrheit der 550 Abgeordneten nötig war, reicht jetzt die absolute Mehrheit, über die die AKP verfügt.

Gül wäre der erste Ex-Islamist an der Spitze des säkular geprägten Landes. Die weltlichen Eliten der Türkei haben Güls Bewerbung wegen seiner Vergangenheit mit Misstrauen verfolgt. Sie werfen ihm vor, er wolle die verfassungsmäßige Trennung von Staat und Religion aufheben. Gül hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und mehrfach versprochen, die Demokratie und die Ordnung in der Türkei zu schützen. Zum Politikum sind auch die Kleidungsgewohnheiten von Güls Ehefrau geworden: Für die laizistischen Kräfte in der Türkei ist eine kopftuchtragende First Lady eine Schreckensvorstellung.

Güls erster Anlauf ins Präsidentenamt im Frühjahr war am Wahlboykott der größten Oppositionspartei, der sozialdemokratischen CHP, gescheitert. Nach Drohungen der Militärführung, die sich als Hüterin der Trennung von Staat und Religion darstellt, hatte das Verfassungsgericht den Wahlgang annulliert. Die Abstimmung wurde verschoben. Bei Neuwahlen im Juli gelang der AKP mit fast 47 Prozent der Stimmen dann jedoch ein triumphaler Sieg. Zahlreiche europäische Regierungen haben Gül und die AKP in der Vergangenheit als zuverlässige Partner gewürdigt.

Unterdessen warnte die türkische Militärführung wenige Stunden vor der Wahl vor politischen Angriffen auf den säkularen Staat. Die Streitkräfte seien entschlossen, die Demokratie und die Trennung von Staat und Religion zu verteidigen, erklärte Generalstabschef Yasar Büyükanit auf der Internetseite des Generalstabs. Separatisten und Zentren des Bösen versuchten systematisch, die säkulare Grundlage der Türkischen Republik zu zersetzen.

anr/Reuters/AP/dpa

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