Kompromiss im Kongress US-Senat einigt sich im Haushaltsstreit
Kompromiss im Kongress: US-Senat einigt sich im Haushaltsstreit
Foto: Jim Lo Scalzo / dpaWashington - Die Hoffnung auf einen Durchbruch im US-Finanzstreit wächst: Führende Demokraten und Republikaner haben sich im Senat auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt, sagte der demokratischen Fraktionschef im Senat, Harry Reid, am Mittwoch. Sein Kollege Mitch McConnell von den Republikanern bestätigte dies.
Die Einigung sieht folgende Punkte vor:
- Die Schuldenobergrenze soll so angehoben werden, dass die USA mindestens bis zum 7. Februar 2014 liquide bleiben, sagte Reid.
- Außerdem solle ein Übergangshaushalt verabschiedet werden, damit die seit mehr als zwei Wochen teilweise lahmgelegte Verwaltung wieder geöffnet werden könne.
- Die Einigung beinhaltet zudem die Vereinbarung, dass Demokraten und Republikaner in Verhandlungen über eine längerfristige Sanierung der Staatsfinanzen eintreten.
Die Bemühungen der Republikaner, Obamas Gesundheitsreform ("Obamacare") einschneidend zu ändern oder gar zu verzögern, sind dagegen gescheitert. Sie konnten lediglich die schärfere Prüfung von Anträgen auf staatliche Beihilfen für eine Krankenversicherung durchsetzen. Zuvor hatte sich bereits eine Lösung im Haushaltsstreit angedeutet.
Allerdings müssen nun beide Kongresskammern dem Entwurf noch zustimmen. Wann dies an diesem Mittwoch geschehen wird, ist noch unklar, auch welche der Kammern zuerst votiert. Aus Kongresskreisen hieß es, der Senatsentwurf werde vermutlich das Repräsentantenhaus mit den Stimmen der demokratischen Minderheit und gemäßigten Republikanern passieren. Die Kammer wird von den Republikanern dominiert. Wie Reuters meldete, trafen sich die Republikaner des Repräsentantenhauses, um über den Vorschlag zu beraten.
Cruz gibt sich zahm
Der Republikaner Ted Cruz, der zuvor noch jeden Kompromiss mit Verweis auf die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama ("Obamacare") abgelehnt hatte, kündigte an, er werde die Einigung nicht blockieren. Cruz gehört der Tea-Party-Bewegung an, die die Obamacare strikt ablehnt. Er hatte in den vergangenen Wochen auf einen harten Konfrontationskurs gegen den Präsidenten und die Demokraten gesetzt.
Sollte eine Mehrheit für den Kompromiss zustande kommen, könnte dieser Präsident Barack Obama zur Unterschrift vorgelegt werden. Obama rief den Kongress zu einer schnellen Umsetzung der Einigung auf. Der Deal müsse vom Senat und vom Repräsentantenhaus "so schnell wie möglich" in Gesetzesform gegossen werden, sagte Obamas Sprecher Jay Carney. Der Präsident sei der Auffassung, dass der Kompromiss "das Nötige" erreiche, um eine Zahlungsunfähigkeit der USA zu verhindern und den Verwaltungsstillstand zu beenden. Obama dankte Reid und McConnell für ihre Zusammenarbeit.
Mit der Lösung würde die ab Donnerstag drohende Zahlungsunfähigkeit der USA hinausgeschoben und mehr Zeit für Verhandlungen über die Haushaltspolitik gewonnen werden.
Ab Donnerstag droht die Zahlungsunfähigkeit
Sollte es nicht gelingen, die Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar anzuheben, droht den USA ab Donnerstag die Zahlungsunfähigkeit. Dann können nach Angaben von Finanzminister Jack Lew jederzeit die Ausgaben die laufenden Einnahmen übersteigen. Die USA hatten die Schuldenobergrenze eigentlich bereits im Mai erreicht. Das Finanzministerium konnte die Zahlungsunfähigkeit aber mit Sondermaßnahmen herauszögern - zum Beispiel wurden Beiträge in Pensionsfonds ausgesetzt.
Hinzu kommt, dass die USA keinen gültigen Haushalt für das laufende Finanzjahr haben, das bereits am 1. Oktober begonnen hat. Dadurch sind rund 400.000 Staatsbedienstete im unbezahlten Zwangsurlaub. Viele staatliche Einrichtungen sind geschlossen.
Mit harschen Worten forderte US-Starinvestor Warren Buffett die politischen Lager in Washington auf, ihre Streitigkeiten um die Staatsfinanzen beizulegen. Das Land könne es sich nicht leisten, dass die Leute das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der USA verlören, sagte er am Mittwoch dem US-Wirtschaftssender CNBC. "Kreditwürdigkeit ist wie Jungfräulichkeit - sie kann bewahrt, aber nicht so leicht wiederhergestellt werden. Es ist also verrückt, damit herumzuspielen."
Schon die Diskussion sei "total verantwortungslos", sagte Buffett. Die Nichtanhebung der Schuldengrenze, nachdem man das Geld schon ausgegeben habe, sei eine "politische Massenvernichtungswaffe", die von keiner Seite benutzt werden dürfe.
Nach den ersten Meldungen über eine sich abzeichnende Lösung zog der Dow Jones an: Er stieg um 200 Punkte an. Auch der deutsche Leitindex Dax schoss binnen Minuten auf Rekordhöhe.