Versorgungs-Katastrophe Iraker graben nach Wasser
Bagdad Fünf Tage nach Beginn der Invasion fehlt es im Südirak an Lebensmitteln und Medizin, die Menschen trinken aus verschmutzen Brunnen. "Wir brauchen Wasser. Alles was wir tun können, ist in Brunnen danach zu graben. Das ist Wasser, das nicht einmal Tiere trinken würden", sagt der 30-jährige Muhammad Ali in der südirakischen Stadt Subair, 20 Kilometer südlich von Basra. In der Gegend steigen die Temperaturen zu dieser Jahreszeit tagsüber auf bis zu 40 Grad Celsius.
An einem Kontrollpunkt im Südirak schickten alliierte Soldaten Iraker wieder fort, die sich ihnen ergeben wollten. Es waren Zivilisten, die sich für ein Fertiggericht und Mineralwasser in Kriegsgefangenschaft begeben wollten.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und andere Hilfsorganisationen warnen vor einer drohenden Katastrophe. Uno-Generalsekretär Kofi Annan forderte schnelle Maßnahmen, um den rund zwei Millionen Menschen in Basra, der viertgrößten irakischen Stadt, zu helfen. Seit Freitag ist dort die wichtigste Anlage zur Trinkwasseraufbereitung wegen eines Stromausfalls außer Betrieb. Andere Wasserwerke können nach Angaben des Roten Kreuzes zwar bis zu 40 Prozent des Bedarfs decken, die Wasserqualität sei aber schlecht. "Eine Stadt dieser Größe kann nicht lange ohne Strom und Wasser auskommen", sagte Annan.
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Dabei ist Rettung nahe: Vor der südirakischen Küste liegen Schiffe mit Hilfsgütern, bislang haben aber Kämpfe in der Hafenstadt Umm Kasr ein Löschen der Ladung verhindert. Nun gibt es Hoffnung, die Briten behaupten, der Hafen sei sicher. Er hoffe, dass das erste Schiff mit Hilfsgütern binnen 48 Stunden anlegen könne, sagte Brigadegeneral Jim Dutton.
Die Hilfe für die Zivilbevölkerung hängt aber auch davon ab, wie schnell die Invasionsstreitkräfte die Gegend sichern können, Damit die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen nicht in Gefahr geraten, müssen die alliierten Soldaten die Region absichern. Doch die britischen und US-Truppen sind bei ihrem Vormarsch bislang auf eine stärker als erwartete Gegenwehr gestoßen.
Hilfsorganisationen warnen vor Desaster
Besorgt ist auch der frühere Koordinator für
die Uno-Irak-Hilfe, Hans von Sponeck. Nach 13 Jahren Uno-Embargo sei die Versorgungslage des Irak "dramatisch". "Basra ist ein Beispiel dafür, wie
schnell das fragile System zur Wasser- und Gesundheitsversorgung
zusammenbricht", sagte der Ex-Diplomat. Eine ähnliche Zuspitzung der Lage sei auch in
anderen umkämpften Städten zu erwarten. "Solange ein Ort nicht in der
Hand einer Kriegspartei ist, können keine Hilfsgüter dorthin gebracht
werden."
Deutsche Hilfsorganisationen bereiten sich wegen des
Kriegs gegen den Irak auf den größten Einsatz seit ihrer Gründung vor.
Die neun Organisationen, die sich in der "Aktion Deutschland hilft"
(ADH) zusammengeschlossen haben, riefen am Dienstag in Berlin zu
Spenden für die Not leidende irakische Zivilbevölkerung auf. "Durch das Kriegsgeschehen im Irak sind bereits jetzt rund zehn
Millionen Menschen, vor allem in den großen Städten Bagdad, Mossul
und Basra, von einer Versorgung abgeschnitten", sagte Heribert
Röhrig, geschäftsführender Vorstand des Bündnisses.
Bei einer
Eskalation des Krieges drohe ein doppeltes humanitäres Desaster: Zum einen bestehe die Gefahr, dass mehrere Millionen Menschen
gleichzeitig flüchteten, ohne dass die Flüchtlingslager auf einen
solchen Ansturm vorbereitet wären. Zum anderen wäre es möglich, dass
große Teile der Bevölkerung in den Städten ausharrten, wo sie
überhaupt nicht versorgt werden könnten. "Ein solches Szenario
stellt alle Hilfsorganisationen vor eine neue Herausforderung",
sagte Röhrig.
Das Flüchtlingshilfswerk der
Vereinten Nationen (UNHCR) rechne damit, dass rund 600.000 Menschen in die
Nachbarstaaten des Irak flüchten. Die Flüchtlingslager in der Region
seien aber bisher erst für die Aufnahme von etwa 300.000 Menschen
gerüstet. Außerdem sei zu befürchten, dass mittelfristig zwei
Millionen Menschen innerhalb des Irak auf der Flucht seien, wo es
bislang fast keine Infrastruktur für ihre Versorgung gebe.
Die "Aktion Deutschland hilft" hat sich nach eigenen Angaben
darauf vorbereitet, bis zu 350.000 Menschen mit Medikamenten,
sauberem Trinkwasser und Basisgütern zu versorgen. Dies sei jedoch
keine Komplettversorgung, sondern ergänze nur die Hilfsmaßnahmen
anderer Organisation, betonte Koordinator Wolfgang Jamann.