GROSSBRITANNIEN Blair provoziert die Gewerkschaften
Premierminister Tony Blair steuert einen Konfrontationskurs gegen die bislang treuesten Unterstützer der Labour Party - die Gewerkschaften. Nach Angaben eines vertraulichen Strategiepapiers will sich Blair künftig nicht mehr an Zusagen halten, die seine Regierung im vergangenen Herbst Arbeitnehmervertretern machte. Um einen offenen Aufstand gegen weitere Privatisierungen staatlicher Einrichtungen zu verhindern, hatte die Regierung Beschäftigten im Öffentlichen Dienst versprochen, sie könnten Pensionsansprüche behalten und müssten keine Lohneinbußen hinnehmen, falls sie von Privatfirmen übernommen würden. Doch um solche Konzerne »an Bord zu halten«, wie es in dem Papier heißt, sollen diese Zusagen jetzt nicht mehr gelten. Die Regierung, so empörte sich der Gewerkschaftsführer John Edmonds deshalb, »fällt Millionen von Arbeitern in den Rücken«. Gewerkschafter und Labour-Linke sind zudem erbost darüber, dass Tony Blair sich im Vorfeld des EU-Gipfels von Barcelona ausgerechnet mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi geeinigt hat. Die beiden wollen als Vorkämpfer der Deregulierung gegen den Widerstand Frankreichs und Deutschlands weitere Privatisierungen Öffentlicher Dienste und einen Abbau von Arbeitnehmerrechten durchsetzen.