BRIEFE
PAPP-PANZER (Nr. 21/53, Briefe)
In Ihrer Rubrik »Briefe« fand ich das Photo eines Papp-Panzers und unter dem Titel »Mai-Parolen« einen Kommentar des Herrn Hans Wagner dazu. Dieser Kommentar ist stark übertrieben. Es handelt sich um einen kommunistischen Aufmarsch am 1. Mai (und nicht um einen sozialistischen; der fand zwei Stunden später statt und hatte nichts mit dem kommunistischen zu tun). Ich war Zeuge der Demonstrationen und konnte feststellen, daß nicht mehr als 800 Personen demonstriert haben. Das ist doch sehr wenig. Ich glaube auch nicht, daß irgend jemand »Schweinehund« geschrien hat, denn das ist ein typisch deutscher Ausdruck, der sich weder ins Französische noch ins Flämische übersetzen läßt.
Ich schicke Ihnen nun ein Photo desselben Panzers; dieses Photo ist deswegen besonders amüsant, weil der Chef des Ordnungsdienstes der belgisch - kommunistischen Partei, der mich von Beginn der Demonstrationen an verfolgte und mich am Photographieren zu hindern suchte (ich mußte die Polizei eingreifen lassen), sich beim Photographieren gerade vor mich stellen wollte, so daß ich gezwungen war, meinen Apparat über seinen Kopf zu heben, der nun in Großaufnahme auf dem Bild erscheint (gekennzeichnet durch einen kleinen Pfeil). Der Mann heißt Raoul Baligand ...
Am 10. Mai, also zehn Tage später, haben die Kommunisten übrigens versucht, eine große nationale Demonstration gegen die deutsche Wiederbewaffnung zu starten, und sie hatten vorsorglich ein Tarn-Komitee gebildet, damit man nicht merkte, daß sie hinter dieser Kundgebung steckten. Daran haben nicht einmal ganze 1500 Demonstranten teilgenommen.
Glauben Sie mir, Belgien ist nicht Frankreich, und hier sind die Kommunisten nur eine bescheidene Minderheit. Es gibt nicht mehr als 15 000 aktive Parteimitglieder, und es waren 115 000 zahlende im Jahre 1946.
Brüssel
André Moyen
ENTEN-JAGD
(Nr. 20/53, Internationales und Nr. 21/53, Briefe)
Im Auftrage von Herrn Ministerialdirektor Egidi übersende ich Ihnen seine Stellungnahme zu der Veröffentlichung in der Nr. 20 vom 13. Mai 1953 auf Seite 14 »Einer Ente aufgesessen - Bundesdeutsche Sicherheit: Dr. Hans Egidi«. Wie Sie inzwischen bemerkt (und in Nr. 21/53 berichtigt - Red.) haben werden, haben Sie nicht das Bild von Herrn Ministerialdirektor Hans Egidi abgedruckt, sondern von dem Kommandeur im Bundesgrenzschutz, Grasser:
Einer Ente aufgesessen?
Schön, das bin ich - doch indessen
welche Ente legt' das Ei
mit dem falschen Konterfei?
Lieber SPIEGEL, wie ergötzlich,
daß auch Du einmal verletzlich!
Oder ist das eine Warnung,
daß ich schon bedarf der Tarnung?
Denn auch Doktor bin ich nicht.
SPIEGEL! Gönn' mir mein Gesicht.
Laß den Grasser, wo er bliev,
nimm dies Bild für Dein Archiv.
Bonn
Dr. Hanspeter von Meibom
EARL MOUNTBATTEN (Nr. 23/53, Briefe)
Zu den interessanten Briefen, die Sie zum Thema Windsor-Mountbatten veröffentlichten, läßt sich noch folgendes sagen.
Der offizielle Grund, weswegen Windsor der Krönung in London fernblieb, ist, daß regierende Monarchen nicht zu Krönungsfeierlichkeiten zugelassen werden. Ob diese Regel auch für einen Exmonarchen gilt, ist strittig, und mitunter ist behauptet worden, es habe sich hier noch immer die Unversöhnlichkeit der englischen Königsfamilie gegenüber der Herzogin gezeigt. Diesmal liegt der Grund aber in Wirklichkeit anderswo: Es wären gar zu viele alte Wunden aufgerissen worden, wenn der Herzog von Windsor, dem selbst die Krönung versagt blieb, der Krönung seiner Nichte hätte zuschauen müssen. Das Schauspiel wäre nicht zuletzt für ihn selbst außerordentlich peinlich gewesen. Er hat es darum vorgezogen, die Krönung auf dem Bildschirm in Paris zu verfolgen. Außerdem hat er Gedanken über die Krönung in Form einer Serie niedergelegt, die der Londoner »Sunday Express« veröffentlicht hat. Bisher hat er sich dabei auf Erinnerungen an frühere Krönungen und Trivialitäten beschränkt.
London
Ruth Bernstein
GALA-UNIFORM (Nr. 22/53, Panorama)
Wie mögen Sie heute damit jemand unterhalten, ob irgendein Militarist eine Galauniform für eine Einladung besitzt oder im Dienstanzug erscheint. Wir sind hier gründlichst entmilitarisiert und haben kein Verständnis mehr für irgendwelche Uniformtuche; erst recht nicht für Gehirne, die sich mit einer neuerlichen Uniformierung des deutschen Volkes befassen. Eines sollten Sie jedoch erkennen und Ihren Lesern unterbreiten, daß nämlich in Deutschland kein Haus zerstört worden wäre, wenn es 1939 keine Uniform gegeben hätte.
Nürnberg
Dr. W. Frisch
PLASTIK (Nr. 23/53, Rückseite)
... bringen Sie die Wiedergabe einiger »sogenannter Kunstwerke«. Sie schreiben dazu, daß »böse Zungen« ironische Bemerkungen hierzu gemacht hätten. Dieser Ausdruck ist mir im vorliegenden Zusammenhang unverständlich, weil meines Erachtens jeder normal veranlagte und gesund denkende Mensch sich von solchen aus erkrankten und entarteten Gehirnen entsprungenen Sudeleien nur mit Abscheu abwenden kann.
Gelsenkirchen
Herbert Kauert
KARL GRUBER (Nr. 21/53, Ausland)
Der in Ihrer Titelgeschichte über Gruber (Österreich - »Die Reise nach Bonn") erwähnte Steckkontakt in Washington, Geheimdienstchef Allen Dulles, dürfte momentan etwas gestört sein, zumindest was Familie Molden betrifft. Die Dulles-Beziehungen Fritz Moldens, der nach Ihrem Bericht seinerzeit die direkte Kurier-Verbindung für den jetzigen Außenminister Gruber nach Washington hergestellt hat, zur Familie von Allen Dulles sind getrübt: Fritz Molden wurde vor kurzem -
vor etwa 14 Tagen - von seiner Gattin geschieden. Geschiedene Frau Molden ist eine Tochter von CIA-Chef Allen Dulles und eine Nichte des gegenwärtigen Außenministers John Foster Dulles, wie Sie - wie immer gut informiert - geschrieben haben. Fritz Molden behauptet, die Ehe sei auf seinen Wunsch geschieden worden. Eingeweihte sind anderer Meinung.
Wien
Johann Eglseder
Der Staatsbesuch des Herrn Gruber in Bonn und die aus Österreich immer stärker erklingenden Lockrufe nach deutschen Touristen sollten an den liebenswürdigen Ausspruch des damaligen Kanzlers Dr. Figl erinnern, daß die Deutschen erst einmal arbeiten sollten, ehe man sie im befreiten Österreich als Touristen aufnehmen wollte.
Herr Figl ist zwar nicht mehr im Amt, aber es wäre doch eine hübsche Geste von Fairneß, wenn man regierungsamtlich jetzt wenigstens bescheinigen würde, daß die Deutschen ihr Soll endlich erfüllt haben und deshalb als zahlende Gäste nunmehr sehr erwünscht seien.
Hamburg
Werner G. K. Eimler
DR. MANFRED CURRY (Nr. 21/53, Forschung)
Ihr Referat über Dr. Manfred Curry ist eine so ausgezeichnete Arbeit über ein eminent schwieriges Thema, daß ich Ihnen spontan meine Anerkennung darüber aussprechen möchte. Die drei einleitenden Sätze sind die eleganteste Persiflage der ärztlichen Kongreß-Epidemie, die jemals erschienen ist.
Hamburg
F. Wilh. A. Lipsky
Großangelegte posthume Ehrung Dr. Currys ist zwar für diesen und die Seinen angenehm, entspricht aber nicht der von Ihnen angestrebten Linie einer objektiven Berichterstattung und auch nicht ganz der Bedeutung der Werke dieses »Forschers«, Regattaseglers, Aerodynamikers usw. Nichts gegen die sprunghafte Vielseitigkeit Currys, die ihm immerhin unter anderem eine Menge Altsilber einbrachte. Daß die Wissenschaft Currys Theorien kaum diskutiert, spricht nicht für die Exaktheit seiner Methoden.
Seine Methoden, bei Regatten Silberpreise zu ersegeln, haben in einschlägigen Seglerkreisen auch nicht immer Anerkennung hervorgerufen, ebenso scheinen seine aerodynamischen Theorien umstritten zu sein. Wir hoffen, daß Sie nicht von dem Versuch, auf dem Wege der objektiven Berichterstattung weiterzuarbeiten, zugunsten einer Sensationsmache im Stil zahlreicher anderer Illustrierten abweichen werden.
Hamburg
Dr. R. Struckmann
Die sogenannte offizielle Wissenschaft hat sich anscheinend mit den Forschungen Currys noch nicht ernsthaft auseinandergesetzt. Das ist aber nun kein Beweis für die Unrichtigkeit der Curryschen Thesen. Es wäre ja nicht das erste Mal in der Geschichte der Wissenschaft und Forschung, daß sie mit ihrer Anerkennung hinterherhinkt. Der Drang der Menschen, auf alten Gleisen fortzufahren, stand seit je allen Neuerungen hinderlich im Wege, auch Professoren machen da leider keine Ausnahme.
Göttingen
Dr. Fritz Gößwein
RÜCKKEHR NACH BREDA
(Nr. 22/53, Deutschland)
Folgende grundsätzliche Angelegenheit ist für die Beurteilung des Falles de Jonge und der anderen aus Breda Geflüchteten besonders zu beachten: Sämtliche in Holland verurteilten Deutschen und Holländer sind auf Grund von Sondergerichtsurteilen verurteilt worden. Auch die sogenannten Kassationshöfe sind Sondergerichte. Beide Gerichtshöfe waren nicht mit holländischen Richtern besetzt, sondern mit Angehörigen der holländischen Untergrundbewegung. Nach dem holländischen Grundgesetz von 1848 sind Sondergerichtshöfe verfassungswidrig. Dies hat der berühmte holländische Rechtslehrer Professor Dr. Russel in seiner Schrift »De Londense Koninklijke Besluiten« nachgewiesen.
Düsseldorf
Hans Stein
TONJÄGER (Nr. 21/53, Briefe)
Ein Wort zu der von Herrn Skibbe erwähnten Pauschalvergütung, die einige (!) Magnettongeräte-Hersteller der Gema zahlen: Wenn die Gema ein Prozent des Verkaufspreises
bei jedem Magnettongerät für ihre Zwecke bekommt, wie es jetzt in einer Reihe von Fällen geschieht, so erwirbt der Käufer dieser Geräte damit unangefochten das Recht, sämtliche Musik, die er im Funk hört, für sich zu kopieren. Auf alle Gema-Komponisten verrechnet, macht das wahrscheinlich nicht einmal einen Pfennig aus. Hier ist keine urheberrechtliche Lösung; es handelt sich lediglich darum, daß die Gema ihr Gesicht wahrt.
Essen
Alfred Brasch
BEKENNTNISSCHULE
(Nr. 21/53, Deutschland)
Es ist zum Lachen oder zum Heulen oder zum ..., wenn man sehen muß, was sich klerikaler Konfessionalismus mit scheinheiliger Berufung auf Christus heutzutage in Westdeutschland offenbar ungestraft leisten darf. Entgegen einer von höchster katholischer Seite offerierten Darstellung befürchte ich folgendes (vielleicht bin ich als Protestant allzu mißtrauisch und parteiisch): Gegenden mit katholischer Mehrheit lassen sich zwingen oder animieren, Konfessionsschulen einzurichten. Die protestantische Minderheit hat dort dann die schlechteren Schulverhältnisse. Wo aber die Mehrheit einer Bevölkerung protestantisch ist, profitiert der Katholizismus von der Simultanschule, die einem toleranten Protestantismus gut genug ist. Unter diesen Umständen muß es protestantischen Kirchenmännern zuweilen schwerfallen, die Toleranz zu bewahren und die eigene Seite seelenruhig im Interesse des Ganzen überspielen zu lassen.
Calmbach
Heinrich Buhr Pfarrer
SPIEGEL
Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem neuesten Mitarbeiter, dem Dichter Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769). Gellert schreibt:
»Ein Freund, der mir den SPIEGEL zeigt,
Den kleinsten Flecken nicht verschweigt,
Mich freundlich warnt, mich herzlich schilt.
Wenn ich nicht meine Pflicht erfüllt:
Der ist mein Freund,
So wenig er's scheint.«
Baden-Baden
Kurt Guttenberg