Zwiespältige Reaktionen bei der Bonner CDU-Führung hat eine Lateinamerika-Resolution ausgelöst, zu der sich, erstaunlich genug, die Präsidenten der Christlich-Demokratischen Internationale (CDI), Andres Zaldivar (Chile), der Liberalen Internationale, Giovanni Malagodi (Italien), und der Sozialistischen Internationale, Willy Brandt, zusammengefunden hatten. Grund: Den Bonner Christdemokraten kommt das sandinistische Regime in Nicaragua, das sich seit langem des besonderen Mißtrauens der Reagan-Administration erfreut, zu gut weg.
Im Adenauer-Haus wird insbesondere kritisiert, daß die drei Internationale-Präsidenten am 10. April in Rom die Sandinistas schon für ihre Willenserklärung gelobt haben, durch freie Wahlen in diesem Jahr zur »Abschaffung des Ausnahmezustands und zur Gewährung der Chancengleichheit für alle politischen Parteien« zu sorgen. Der Leiter des CDU-Büros für auswärtige Beziehungen, Peter Hartmann: »Da wird verfrüht etwas begrüßt, was noch nicht da ist.«
Verhindern konnte die CDU die Erklärung von Rom nicht mehr. Nachdem im Januar die vom spanischen Ministerpräsidenten Felipe Gonzalez initiierte Aktion im ersten Anlauf gescheitert war, setzten sich die italienischen Christdemokraten, deren Senator Angelo Bernassola anstelle des von der CDU favorisierten Chefs der Konrad-Adenauer-Stiftung Bruno Heck im vergangenen Jahr zum Generalsekretär der CDI gewählt wurde, gegen Bonner Bedenken durch.
Wenig gelegen kam der CDU-Führung auch jene Passage in der gemeinsamen Erklärung von Rom, in der die USA, derzeit weltweit getadelt wegen der Verminung nicaraguanischer Häfen, aufgefordert werden, »als mächtigste Demokratie der Welt zur Schaffung eines politischen und wirtschaftlichen Klimas beizutragen, das dem Frieden, der Demokratie und dem Wohlstand förderlich ist«. Noch am Vorabend des Präsidenten-Treffens von Rom war die US-Regierung bei den italienischen Liberalen und Christdemokraten vorstellig geworden und hatte ihre »Betroffenheit« ("concern") über die bevorstehende Veranstaltung ausgedrückt.
Dennoch mag CDU-Generalsekretär Heiner Geißler den Draht zur Christlich-Demokratischen Internationale nicht abreißen lassen. Er hofft darauf, daß die Sozialistische Internationale gemeinsam mit der CDI nicht nur in Chile die Demokratische Allianz, sondern auch in El Salvador den christdemokratischen Kandidaten Napoleon Duarte gegen den rechtsradikalen Konkurrenten Roberto D'Aubuisson unterstützt.