Debakel durch Billigflieger - DER SPIEGEL
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BAHN Debakel durch Billigflieger

• aus DER SPIEGEL 23/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Desaster im Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB) ist für Konzernchef Hartmut Mehdorn größer als bislang bekannt: So haben bis April zwei Drittel der Fahrgäste die aggressiv vermarkteten Angebote seines neuen Preissystems schlicht ignoriert und stiegen weiterhin mit ihrer alten Bahncard oder als Vollzahler in den Zug. Gerade ein Drittel ging auf die neuen Angebote ein. Das zeigen Unterlagen für den Aufsichtsrat der Fernverkehrssparte DB Reise & Touristik. Massive Probleme haben sich demnach auch durch die Angebotspolitik von Lufthansa und neuen Billigfliegern ergeben: Im ersten Quartal 2003 legte die innerdeutsche Luftfahrt um über 15 Prozent zu - der DB-Fernverkehr schrumpfte zugleich um über 7 Prozent. »Ca. 80 Mio. Euro Erlösverlust«, so das Papier, verursachen im Gesamtjahr die billigen Flugtickets. Allein der Businesszug Metropolitan zwischen Hamburg und Köln verlor jeden vierten Reisenden, weil Billigfluglinien die Strecke eroberten.

Besonders heikel ist die Lage auf der Neubaustrecke Frankfurt-Köln. »Deutliche Angebotsausweitung führt bislang noch zu unterproportionaler Nachfragesteigerung«, heißt es in den internen Papieren. Die durchschnittliche Auslastung dieser ICE-Verbindung beträgt nur 32 Prozent - im Vergleich zu 38 Prozent im gesamten Netz. Jetzt sollen befristete Sonderangebote Umsatz bringen.

Gleichzeitig sorgt die mangelnde Pünktlichkeit, deren Rate Ende Januar auf 64 Prozent gefallen war und normalerweise bei über 90 Prozent liegt, weiter für Ärger. Zuletzt pendelten die Werte zwischen 71 und 81 Prozent. Abschreckend wirkte auch die massive Preiserhöhung bei der Telefonauskunft der Bahn auf 61 Cent pro Minute: Einen »Rückgang des in 2003 erwarteten Anrufvolumens um rd. 35 Prozent gegenüber dem Plan« stellten die Bahner fest. Die »Unterauslastung vorhandener Kapazitäten«, so das Papier, bringe ein »erhebliches strukturelles Problem und ein deutliches Ergebnisdefizit von bis zu -14 Mio. Euro in 2003«.

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