Türkisch als Fremdsprache : Merhaba statt Bonjour? - DER SPIEGEL
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Türkisch als Fremdsprache Merhaba statt Bonjour?

Türkisch als zweite Fremdsprache an deutschen Schulen: Die SPD-Integrationsbeauftragte Ute Vogt möchte mit ihrem Vorschlag der deutschen Exportwirtschaft helfen. Aber das Echo bei Managern wie Pädagogen ist eindeutig: Brauchen wir nicht - wollen die Schüler nicht.
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Berlin - Das Urteil über den Vorstoß von Ute Vogt ist klar formuliert: "Wenn man mit Wirtschaftsmärkten argumentiert, kann man dies auch für viele andere Sprachen tun - von Japanisch bis Arabisch", erklärt die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Annegret Kramp-Karrenbauer.

Die baden-württembergische SPD-Vorsitzende Vogt hatte argumentiert, ein Wahlfach Türkisch neben Französisch und Spanisch würde der wachsenden Bedeutung des Wirtschaftsraums am Bosporus gerecht.  "Es soll Türken und Deutschen gleichermaßen angeboten werden", sagte Vogt zu SPIEGEL ONLINE.

Tatsächlich sieht auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) einen grundsätzlichen "Bedarf an Menschen, die viele Fremdsprachen beherrschen", wie es Reiner Perau vom DIHK formuliert. Für die Schulen ist der DIHK einer Lösung im "Wahlpflichtbereich nicht abgeneigt", man sehe jedoch "keine Veranlassung für die Etablierung von Türkisch als verpflichtende zweite Fremdsprache". Nach Auskunft des Referatsleiters für Südosteuropa und die Türkei seien für Deutschlands Außenhandelsaktivitäten in der Region "durchaus auch die in Deutschland lebenden türkischstämmigen Arbeitskräfte einsetzbar".

Ernüchternd ist auch das Urteil des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus: "Wenn man ehrlich ist: Auf dem Weltmarkt bringt das eigentlich nichts", erklärt Kraus, der selber aus der Erfahrung als Schulleiter spricht. "Wir hätten kurzfristig auch gar nicht genug Lehrer, die Türkisch unterrichten könnten." Einen durchschlagenden Erfolg der Idee kann er sich nicht vorstellen. Seiner Einschätzung nach wird "die Neigung bei deutschen Schülern gering sein, ein solches Fach zu wählen".

Und falls doch - juristische Hindernisse für die Einführung gäbe es schon heute nicht. "Bereits nach geltendem Recht kann heute jede Schule einen Antrag stellen, dass Türkisch als Fremdsprache angeboten wird", erläutert der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Seiner Ansicht nach würde sich "das Fach sowieso von selber durchsetzen, wenn allgemeiner Bedarf daran bestehen würde". Auch für Meidinger ist das mangelnde Interesse an dem Fach das größte Hindernis: "Man kann ja nicht etwas anbieten, was nicht gewählt wird."

Auch der Vorsitzende des Bundeselternrats, Dieter Dornbusch, tut sich schwer mit dem Vorstoß von Ute Vogt. Seiner Meinung nach gibt es für die Schüler außer Türkisch "viel wichtigere Sprachen zu erlernen". Sein trockenes Urteil: "Ich weiß gar nicht, was sich manche Leute so denken."

Fakt ist: In Städten mit hohem türkischem Bevölkerungsanteil gibt es bereits heute Schulen, die Türkisch als Fremdsprache anbieten - so etwa in Frankfurt am Main oder Berlin. Aber die Resonanz ist eher enttäuschend. 

Beispiel Otto-Hahn-Gesamtschule, Berlin-Britz. "Wir haben versucht, den deutschen Schülern Türkisch als Fremdsprache im Unterricht anzubieten", erläutert Schulleiterin Gabriele Holz, "einen Kurs mit deutschen Schülern haben wir aber nie zusammen bekommen".

Die Sprache wird weiter angeboten - allerdings nur noch für Muttersprachler. Selbst da sind die Teilnehmerzahlen mittlerweile rückläufig. Holz' wenig euphorisches Fazit: "In der siebten und achten Klasse bieten wir den Unterricht mittlerweile gar nicht mehr an - das Interesse ist einfach zu gering."

Für die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Kramp-Karrenbauer ist der Vorschlag ohnehin nur eine Nebelkerze: "Die Forderung soll nur von der eigentlichen Integrationsdebatte ablenken."