Abhöraktion: Stasi belauschte nahezu gesamte Politprominenz - DER SPIEGEL
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Abhöraktion Stasi belauschte nahezu gesamte Politprominenz

Die Telefonbespitzelung durch die Staatssicherheit der DDR ist wesentlich umfangreicher als bislang angenommen. Nahezu jeder aktive Politiker der Bundesrepublik ist bis 1989 von der Stasi am Telefon belauscht worden.
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Berlin - Die Protokolle seien noch vorhanden, so weit sie nicht von der Stasi selbst vernichtet worden seien, sagte ein Ministeriumssprecher. Laut Gauck-Behörde füllen die Mitschriften Aktenregale von schätzungsweise 300 Metern Länge. Die Auswertung könnte noch mehrere Jahre dauern. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, die Stasi habe die Telefongespräche in der Bundesrepublik flächendeckend überwacht. Man könne davon ausgehen, dass nahezu jeder aktive Politiker der letzten 50 Jahre abgehört worden sei.

Eine Katalogisierung der Telefongespräche von westdeutschen Politikern sei noch nicht erfolgt, sagte der Sprecher der Gauck-Behörde, Johannes Legner. "Bei der jetzigen Situation mag es allerdings sinnvoll sein, eine solche Auflistung zu machen." Immer mehr Opfer des Stasi-Lauschangriffs zeigten inzwischen Interesse an den Protokollen. Neben Altkanzler Helmut Kohl hätten sich in den letzten Wochen auch eine Reihe anderer "prominenter Zeitgenossen" mit dem Wunsch nach Akteneinsicht gemeldet.

Die "Berliner Zeitung" berichtete, dass die Gauck-Behörde auf Abhörprotokolle von hochrangigen Politikern wie Außenminister Joschka Fischer, Innenminister Otto Schily sowie von den früheren Bundesministern Klaus Kinkel, Otto Graf Lambsdorff und Hans-Dietrich Genscher gestoßen sei. Auch der frühere bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß und die ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt seien von der Stasi belauscht worden. Gesprächsaufzeichnungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder seien noch nicht gefunden worden.

Bei den Abhörprotokollen handelt es sich dem Bericht zufolge um Wortlaut-Abschriften sowie um zusammenfassende Inhaltsangaben. Am umfangreichsten sei die Sammlung von Gesprächen Brandts, Genschers und Strauß'. Die Unterlagen zu Kohl seien demgegenüber weitaus weniger ausführlich. Die Gauck-Behörde wollte die Angaben nicht kommentieren.