»Bild«-Bericht AfD-Chefin Weidel war bei Vicky-Leandros-Konzert heimlich anwesend
Schlagersängerin Vicky Leandros beim Konzert auf Schloss St. Emmeram in Regensburg
Foto:Isa Foltin / Getty Images
Neuer Ärger um die Schlossfestspiele in Regensburg: Erst hatte Gloria von Thurn und Taxis, die Schirmherrin der Festspiele, Alice Weidel eingeladen. Dann hatte Vicky Leandros, Sängerin des Abends, erwirkt, dass die AfD-Chefin fernbleibt. Die Schlagersängerin (»Theo, wir fahr’n nach Lodz«) erklärte, Weidel sei bei ihrem Konzert »nicht willkommen«.
Nun legt ein Bericht der »Bild«-Zeitung nahe, dass Weidel dennoch vor Ort war – obwohl sie selbst zuvor anderes versprach. Ein Foto zeigt Weidel Sekt trinkend neben Thurn und Taxis im Schloss, zeitgleich fand draußen im Schlosshof das Konzert von Leandros statt. Zuvor hatte Weidel beteuert, trotz Einladung weder die Show noch das Festspiel-Restaurant zu besuchen, »um den Gästen den Abend nicht zu verderben«.
»Sie müssen auch den ein oder anderen Exoten mit einladen«
Weidel war nach »Bild«-Informationen bereits Sonntag angereist und soll auf Schloss St. Emmeram übernachtet haben. Während des Konzerts von Leandros habe sie sich im Schloss aufgehalten, sie und die Schlagersängerin sollen sich nicht begegnet sein. Gloria von Thurn und Taxis verteidigte die Einladung Weidels gegenüber »Antenne Bayern«: »Sie müssen auch den ein oder anderen Exoten mit einladen, weil das macht die Sache interessanter.« Sie kenne die AfD-Chefin persönlich. Die Einladung sei rein privat gewesen.
Thurn und Taxis beklagte sich über die Proteste: »Der Wirbel zeigt sehr schön, wie es um die Meinungsfreiheit in unserem Land bestellt ist, dass noch nicht einmal ein Privatbesuch einer demokratisch gewählten, erfolgreichen Politikerin mehr möglich ist.«
Weidel ist tatsächlich demokratisch gewählt, der Verfassungsschutz hatte ihre Partei im Mai jedoch als gesichert rechtsextrem eingestuft und dies ausführlich begründet. Nach einem Eilantrag der Partei hat das Amt bis zu einer gerichtlichen Entscheidung diese Einstufung auf Eis gelegt und führt die AfD weiter als sogenannten Verdachtsfall.
Vicky Leandros äußerte sich entsprechend: »Ich stehe für Vielfalt, Toleranz, Menschenwürde, Menschenrechte und Internationalität.« Erst kurz vor ihrem Auftritt wollte sie über die Einladung Weidels erfahren haben.
Kritik an der Hausherrin
Bereits in der Vergangenheit hatte es zu den Festspielen am Schloss St. Emmeram – dem Sitz der Familie von Thurn und Taxis – Proteste gegeben. Kritiker warfen der Hausherrin Nähe zu Rechtsextremen und Homophobie vor. Die Unternehmerin weist dies in Interviews von sich, beklagte sich aber über Proteste.
Die von der Hausherrin geschilderten Sicherheitsbedenken bestätigte die Polizeiinspektion Regensburg indes nicht. Diese Darstellung treffe nicht zu, sagte ein Sprecher. Am Montagabend demonstrierten nach Polizei-Angaben in der Spitze rund 900 Menschen in Regensburg unter dem Motto »Mahnwache gegen Weidel« friedlich gegen den Besuch der Politikerin bei den Festspielen.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde von Thurn und Taxis an einer Stelle als Fürstin bezeichnet. Die Adelsprivilegien führt die Familie jedoch nicht mehr, wir haben den Titel wieder entfernt.