Aktenvernichtung im Kanzleramt Doch eine Spur zu Bohl?
Berlin - In der Affäre um die Aktenvernichtung im Kanzleramt unter Helmut Kohl führt nach einem Bericht der "Zeit" doch eine Spur zu dessen damaligem Kanzleramtsminister Friedrich Bohl (beide CDU). Das gehe aus geheimen Protokollen des Sonderermittlers der rot-grünen Regierung, Burkhard Hirsch, hervor.
Eine Sekretärin aus Bohls Büro habe ausgesagt, dass der Büroleiter und der Referent von Bohl Akten "aussortiert und vernichtet" hätten. Sie selbst sei "angewiesen worden, die Hausarbeiter mit Containern zu holen" und habe "das Vernichten des Papiers durch die Hausarbeiter" beaufsichtigt. Wer sie anwies, wurde nicht gesagt.
Der "Zeit" zufolge hat nach dem Hirsch-Bericht ein anderer Zeuge beobachtet, wie offenbar Schredderschnipsel "mit Kleinlastern" aus dem Kanzleramt abtransportiert wurden. Nach Angaben der Hamburger Wochenzeitung geht aus rekonstruiertem Datenmaterial hervor, dass die Akten im Büro Bohl "keineswegs nur Privatpapiere, sondern Akten über den Bundesnachrichtendienst, Waffenverkäufe oder außenpolitische Strategiepapiere" waren. Alle Papiere seien verschwunden.
Hirsch hatte seinen Bericht vor drei Wochen vorgelegt und darin festgestellt, dass kurz vor dem Regierungswechsel 1998 zwei Drittel der Daten im Kanzleramt zentral und heimlich gelöscht wurden sowie wichtige Akten verschwunden waren. Verantwortliche hatte Hirsch nicht benannt. Die Anhörprotokolle seien inzwischen der Bonner Staatsanwaltschaft übergeben worden.