So gesehen: Satelliten-Trick des BND - DER SPIEGEL
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Stefan Kuzmany

meinung •So gesehen Allwissend

Stefan Kuzmany
Eine Kolumne von Stefan Kuzmany
Der Satelliten-Trick des BND
• aus DER SPIEGEL 28/2023
Foto: ESA/ dpa

Mit einer verharmlosenden Falschmeldung ist dem BND ein weiterer Coup gelungen. Wie Medien vermeintlich enthüllten, verzögere sich der Start des angeblich ersten BND-eigenen Spionagesatelliten bis auf Weiteres, Deutschland sei demnach weiterhin »im Weltraum blind« (tagesschau.de).

Aus: DER SPIEGEL 28/2023

Vorsicht, Lüge!

Künstliche Intelligenz hat das Fälscherhandwerk revolutioniert. Nie war es einfacher, Menschen in die Irre zu führen – mit Bildern und Videos von vermeintlich historischen Ereignissen oder Stimmklonen echter Menschen. Eine enorme Gefahr für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Den Spott über angeblich unfähige Schlapphüte nimmt man beim BND gelassen. Wie schon die Nachrichten über Verzögerungen wegen abgeschraubter Wasserhähne beim Neubau der BND-Zentrale in Berlin, mit denen die klandestine Untertunnelung und Verwanzung des gesamten Regierungsviertels kaschiert wurde, handelt es sich auch beim verschobenen Satel­litenstart um eine klassische nachrichtendienstliche Verschleierungstaktik.

Tatsächlich hat der BND bereits seit Langem viele Dutzend Spionagesatelliten im Einsatz. Beginnend mit dem noch von Konrad Adenauer 1953 gestarteten »Späh­vogel 1« wurden jährlich zwei bis drei bundesdeutsche Erkundungskisten in den Orbit geschleudert, zunächst ent­wickelt von AEG, später von Siemens. Mit der Wiedervereinigung kamen zwölf DDR-Flugkörper der Serie »Kosmotron« hinzu.

Das so entstandene, reibungslos ope­rierende deutsche Spionagenetzwerk »Schlauschau« liefert seit Jahrzehnten hochpräzise Informationen aus aller Herren Länder von Afghanistan bis Zypern. Jeden Morgen entsteht daraus ein streng geheimer Bericht, die sogenannte »Schlauschauschau« wird durch die geheimen BND-Tunnel per Flüsterpost direkt an die Regierungs­spitze transportiert.

Mitnichten ist es also so, dass der Bundeskanzler regelmäßig von geostrategischen Entwicklungen überrascht würde. Ob Machtübernahme der Taliban oder Angriff der Russen auf die Ukraine: Olaf Scholz wusste und weiß alles schon längst und besser als alle anderen. Es ist nur leider wie immer: Er sagt nichts.

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