Andrea Fischer Dokumentation ihrer Rede
Berlin - Die Grünen haben sich dafür ausgesprochen, die umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) nicht zulassen. Die ehemalige Gesundheitsministerin und Grünen-Abgeordnete Andrea Fischer begründete diese Haltung in der Gentechnik-Debatte des Bundestags. dpa sendet nachfolgend die wichtigten Auszüge ihrer Rede im Wortlaut:
"In der bundesgrünen Fraktion haben wir uns mit großer Mehrheit für eine Grenzziehung ausgesprochen, die sich an der Unverfügbarkeit des menschlichen Embryos für die Auswahl von Kindern sowie für die fremdnützige Forschung festmacht. Auch wenn wir eine große Mehrheit für diese Position haben, so gibt es bei uns selbstverständlich auch andere Meinungen, und vor allem, das ist selbstverständlich in einer weltanschaulich nicht gebundenen Partei wie den Grünen, auch unterschiedliche Begründungen für die jeweiligen Positionen. Es verbindet uns dabei das verfassungsrechtliche Gebot der Wahrung der Menschenwürde.
Bei der PID stehen wir vor der Frage, ob wir zulassen wollen, dass menschliche Embryonen sich nur dann zum Menschen entwickeln sollen, wenn sie nicht Träger einer bestimmten genetischen Krankheit sind. Wir verstehen die Angst der Eltern vor der Belastung für sie und das Kind, die von dieser Erkrankung ausgehen. Trotzdem wollen wir dieses Verfahren nicht zulassen. Wir wollen nicht zulassen, dass Kinder nach ihren gesundheitlichen Eigenschaften ausgewählt werden.
Diejenigen, die für dieses Verfahren sprechen, verweisen darauf, dass es heute vielfach zu Schwangerschaftsabbrüchen kommt, wenn im Verlauf der Schwangerschaft die künftigen Eltern die Information über die Behinderung ihres Kindes erhalten. Dann sei es schonender, diesen Schwangerschaftskonflikt von vorne herein zu vermeiden. Aber kann es sein, dass aus einer immer mehr um sich greifenden Praxis, ein Kind wegen seiner künftigen Behinderung nicht anzunehmen, zwangsläufig folgt, diese Praxis auch noch zu vereinfachen? Oder müssen wir nicht vielmehr andersherum fragen, warum manche Eltern nicht den Mut fassen können, ein Kind mit einer Behinderung anzunehmen?
Wir alle können doch etwas dafür tun, dass das Leben mit einem kranken oder behinderten Kind nicht so schwer ist, wie es heute den Eltern gemacht wird, und trotzdem es schwer ist, nehmen heute viele Eltern diese Herausforderung an. Sie und die anderen zu unterstützen sollte unser Anliegen sein, anstatt darum zu kämpfen, das behindertes Leben vermieden wird.
Die Praxis der pränatalen Diagnostik und die daraus oft folgenden Schwangerschaftskonflikte wollen wir in den Mittelpunkt unserer Überlegungen stellen. Diese Praxis muss uns auch beeindrucken, wenn wir darüber sprechen, ob nicht eine Zulassung in engen Grenzen möglich sein kann.
Mit Blick auf die Erfahrungen steht zu erwarten, dass sich auch bei der PID eine Begrenzung nicht einhalten lässt, dass die Nachfrage nach diesem Verfahren steigen wird. So dass es immer selbstverständlicher sein wird, von künftigen Eltern zu verlangen, dass sie kein krankes Kind bekommen werden, ja dass sie sich sogar dafür rechtfertigen müssen, wenn sie es tun. Aber ein Kind braucht doch gerade Eltern, die es annehmen, wie es ist, die es lieben unabhängig von seiner Gestalt und seinen Fähigkeiten."