Angela Merkel "Ich habe Lust auf den CDU-Vorsitz"
Berlin - Nach mehreren Stunden Beratung von Präsidium und Vorstand traten Angela Merkel und Wolfgang Schäuble am Montagnachmittag vor die Presse. Laut Schäuble wurde Merkels Bereitschaft zur Kandidatur vom Parteivorstand einstimmig begrüßt. Ihre Wahl zur siebten CDU-Vorsitzenden soll auf dem Essener Parteitag Anfang April erfolgen.
Schäuble verwies auf den "ungewöhnlich großen Zuspruch", den sie auf den Regionalkonferenzen der Partei erfahren habe. Er habe seine Eindrücke von diesen Konferenzen vor dem Bundesvorstand in der Feststellung zusammengefasst, "dass die Anhänger und Mitglieder der CDU in großer Übereinstimmung Angela Merkel als Parteivorsitzende wünschen". Dem hätten alle Mitglieder der Parteiführung zugestimmt.
Merkel, die aus Ostdeutschland stammt, nannte die einstimmige Unterstützung des Vorstands "ein Stück gelebter deutscher Einheit, wie ich es mir noch vor einiger Zeit nicht hätte vorstellen können". Sie habe seit der Rücktrittserklärung Schäubles unglaublich viel Unterstützung und Zuspruch erfahren und sich deshalb zur Kandidatur entschlossen. Merkel äußerte zugleich die Hoffnung, dass Schäuble der Partei weiter zur Verfügung stehen werde.
Merkel, die vermutlich als erste Frau einer deutschen Volkspartei vorstehen wird, zeigte sich erstaunt und dankbar über ihren Aufstieg in der bundesdeutschen Politik. Dass sie einmal der CDU vorstehen könnte, der sie nach der deutschen Einigung vor zehn Jahren beigetreten war, hätte sie selbst vor nicht allzu langer Zeit nicht geglaubt, sagte die ostdeutsche Politikerin. "Das ist ein Stück gelebter deutscher Einheit", fügte sie hinzu. Und sagte: "Da kann man nur staunen".
Ausdrücklich bedankte sich die Noch-Generalsekretärin beim scheidenden Parteichef Wolfgang Schäuble für die gute Zusammenarbeit im letzten Jahr. Schäuble gab die Komplimente zurück und sagte, Merkel werde eine hervorragende Parteichefin werden. Die 45-jährige Physikerin sagte, sie bewerbe sich beim Parteitag in Essen nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern auch, weil sie Lust auf den Posten haben. "Wenn ich gewählt werde, will ich es auch gut machen", sagte sie. Reserviert-ironisch reagierte sie auf Fragen, ob sich die bislang männlich-katholisch geprägte CDU unter einer protestantischen ostdeutschen Frau verändern werde: "Frauen sind auch nur Menschen", antwortete sie.
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