Atomstreit: Grüne drohen mit Massenprotesten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Atomstreit Grüne drohen mit Massenprotesten

Im Streit über die Nutzung der Atomenergie machen die Grünen mobil: Im Falle einer Abkehr vom Ausstieg bauen sie auf den Druck einer außerparlamentarischen Opposition.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - "Sollte die Große Koalition beim Atomausstieg wackeln, werden die Grünen den Protest auf die Straßen tragen", sagte Fraktionschefin Renate Künast der "Berliner Zeitung". Sie betonte: "Wir werden den Atomausstieg mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen."

Künast warf der schwarz-roten Koalition vor, mit ihrer Debatte über die Nutzung der Kernkraft eine zukunftssichere Energieversorgung aufs Spiel zu setzen. Wer den Atomausstieg rückgängig machen wolle, bringe die nötigen Milliardeninvestitionen in Zukunftstechnologien für erneuerbare Energien oder für moderne Kraftwerke in Gefahr. "Dies wäre unverantwortlich und eine rückwärtsgewandte Politik", warnte sie.

Stoiber für Debatte ohne Tabus

Mehrere Unionspolitiker hatten sich zuvor - auch angesichts der Gaskrise in Osteuropa - für einen Stopp des Atomausstieges ausgesprochen. "Welchen Sinn macht es, ein modernes und sicheres Kraftwerk in Deutschland abzuschalten, wenn man nachfolgend Atomstrom aus ausländischen Kraftwerken importiert, die nicht zwangsläufig so sicher sein müssen wie unsere", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach, der "Netzeitung".

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber plädierte für eine breite gesellschaftliche Debatte über "das vorzeitige Abschalten von Atomkraftwerken". Diese sollte "ohne ideologische Festlegungen geführt werden", sagte der CSU-Chef dem "Münchner Merkur".

Stoiber unterstützte damit die Haltung mehrerer CDU-Regierungschefs die sich gegen einen schnellen Ausstieg aus der Kernkraft ausgesprochen hatten. Dazu gehörten Christian Wulff (Niedersachsen) und Günther Oettinger (Baden-Württemberg). Andererseits halten die Ministerpräsidenten von Thüringen und Sachsen-Anhalt, Dieter Althaus und Wolfgang Böhmer (beide CDU), den Konflikt für überflüssig.

Laut Koalitionsvertrag mit der SPD soll der von der rot-grünen Bundesregierung beschlossene Atomausstieg von der Großen Koalition nicht angetastet werden. Bosbach betonte, diese Vereinbarung gelte für die Dauer der Wahlperiode. Sie sei aber "nicht für die Ewigkeit gemacht". Deswegen werde man "eine neue Debatte über die friedliche Nutzung der Kernenergie bekommen, sobald ein modernes und sicheres Kernkraftwerk abgeschaltet werden soll", sagte er. Vor diesem Hintergrund forderte er die Sozialdemokraten auf, die Frage zu beantworten, "ob sie bereit sind über dieses Thema überhaupt noch einmal ernsthaft zu verhandeln".