Atomtransport Castor rollt rückwärts
Dannenberg - Auch rund acht Stunden nach Beginn der Gleisblockade hat die Polizei die Castor-Strecke nach Dannenberg am Mittwochmorgen nicht frei bekommen. Nach Angaben der Polizei ist noch immer einer der vier Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood bei Süschendorf ans Gleis gekettet. Der Demonstrant habe sich zudem tief in das Erdreich eingegraben, so dass es sehr schwierig sei, ihn von den Schienen zu lösen. Offen sei außerdem, wie umfangreich die Reparaturarbeiten am Gleisbett seien. Schienen und Schwellen mussten für die Bergungsaktion der Polizei angehoben werden.
Der Zug musste wegen der Blockade am Mittwochmorgen nach Dahlenburg zurücksetzen. Hier soll er betankt und gewartet werden. "Aus technischen Gründen wird der Zug voraussichtlich vorübergehend im Bahnhof Dahlenburg auf seine Weiterfahrt warten", sagte ein Polizeisprecher.
Weiterfahrt verzögert sich
Eine Weitertransport der Castor-Behälter per Lastwagen ins Zwischenlager Gorleben noch am Mittwoch ist daher unwahrscheinlich geworden. Der Zug kann Dannenberg frühestens am Vormittag erreichen. Dort werden Verladung und Messungen nach Angaben der Brennelement-Lagergesellschaft (BLG) etwa zehn Stunden andauern. Für die 20 Kilometer lange Fahrt auf der Straße fehlt dann das nötige Tageslicht. Polizeieinsatzleiter Hans Reime hatte einen Transport bei Dunkelheit ausgeschlossen.
Der Zug hatte Lüneburg am Dienstagabend gegen 18.30 Uhr verlassen und war von Atomkraftgegnern mehrfach zum Halten gezwungen worden. Nach etwa der Hälfte der 50 Kilometer langen Strecke stoppten die Aktivisten von Robin Wood mit ihrer Gleisblockade bei Süschendorf den Zug endgültig. Gleichzeitig hatte es in der Nacht vor der Verladestation in Dannenberg zum Teil gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen mehreren tausend Demonstranten und Polizei gegeben. Am Bahnhof in Dannenberg und in unmittelbarer Nähe der Castor-Umladestation setzte die Polizei Wasserwerfer ein.
Nächtliche Ausschreitungen
Ein Streifenwagen ging in Flammen auf, nachdem er mit Leuchtmunition beschossen worden war. Atomkraftgegner warfen die Scheiben von zwei Bussen des Bundesgrenzschutzes ein und attackierten Beamte mit Steinen und Knallkörpern. Sie demolierten zudem einen Privatwagen, in dem sie Neonazis vermuteten. Unter den Castorgegnern befanden sich nach Polizeischätzungen bis zu 500 gewaltbereite Autonome. Insgesamt nahm die Polizei im Wendland bis zum Abend über 500 Castor-Gegner in Gewahrsam.
Schwierigste Etappe steht noch bevor
Nach dem Umladen der sechs Spezialbehälter mit rund 85 Tonnen Atommüll von der Schiene auf Schwerlaster in Dannenberg stehen noch 20 Kilometer Straßentransport ins Zwischenlager Gorleben bevor. Diese Etappe gilt als die heikelste - entlang dieser Strecke hatte es beim letzten Castor-Transport 1997 die heftigsten Ausschreitungen gegeben.