Atomtransport Polizei setzt Schlagstöcke ein
Gothsheim/Phillipsburg - Einige 100 Atomkraftgegner sind von der Polizei in Rheinsheim bei Philippsburg einkesselt worden. Beim Versuch, die Polizeikette zu durchbrechen, kam es zu Rempeleien. Die Polizisten setzten Schlagstöcke ein und nahm mindestens einen Demonstranten fest.
Zuvor wurden in Philippsburg 15 Atomgegner festgenommen. Nach Polizeiangaben waren um 6.45 Uhr sechs Greenpeace-Leute mit zwei Mietautos auf die Bahngleise gefahren und hatten versucht, sich festzuketten. Sie wurden vorläufig festgenommen. Zuvor waren neun Personen in Gewahrsam genommen worden, weil sie gegen das großflächige Versammlungsverbot verstoßen hatten.
Aus Protest gegen den Atommülltransport besetzten am Dienstagmorgen Greenpeace-Aktivisten auch Bahngleise in der Nähe von Schweinfurt. Nach Angaben der Umweltorganisation seilten sich mehrere Umweltschützer von einer Fußgängerbrücke zu den Gleisen ab. Einige der Umweltschützer entrollten Transparente mit der Aufschrift "Stop Castor" und "Nationale Verantwortung heißt kein Atommüll nach Frankreich".
Begleitet von Polizisten wurde am Morgen ein Behälter mit einem Spezialwagen aus dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld zur Verladestelle in Gochsheim gebracht, wie ein Sprecher des Kraftwerks mitteilte. Vor der Verladestelle protestierten nach Angaben einer örtlichen Bürgerinitiative 150 bis 200 Atomkraftgegner gegen den Transport.
Der Behälter soll ebenso wie zwei weitere geplante Transporte aus den Atomkraftwerken Philippsburg in Baden und Biblis in Hessen in das pfälzische Wörth gebracht werden. Dort soll ein Zug die abgebrannten Brennelemente zur französischen Wiederaufarbeitungsanlage nach La Hague in der Bretagne bringen.
Erste Proteste am Montag
Bereits am Montagabend hatten Grenzschutzbeamte 13 Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace festgenommen, die am späten Nachmittag auf dem Güterbahnhof Zell bei Würzburg einen für den Transport bestimmten Spezialgüterwaggon besetzt hatten. Das Landratsamt Schweinfurt hatte Demonstrationen beim AKW Grafenrheinfeld und in Gochsheim genehmigt. Dagegen erließ das Landratsamt Karlsruhe ein Versammlungsverbot für das Gebiet um das AKW Philippsburg und entlang der Bahnstrecke.