Atomunfall Brennelement in Biblis zerbrochen
Biblis - Nach Darstellung des Kraftwerksprechers Ernst Müller geschah der Unfall beim Beladen eines französischen Transportbehälters. Dabei wurde das Brennelement unter Wasser am Kopf aus dem Abklingbecken herausgenommen. Nach dem Bruch sank das Reststück im Wasser ab, kam auf der Oberkante des Lagergestells zum Stehen und lehnte sich an den etwas höheren Transportbehälter an. Inzwischen wurde das 700 Kilogramm schwere Element mit Seilen gesichert.
Durch das Abreißen des Kopfes seien die Brennstabhüllrohre nicht beschädigt und keine Strahlen freigesetzt worden, sagte Müller. Deshalb sei der Unfall im Block B des Atomkraftwerks nach der Internationalen Skala (INES) mit der Stufe 0 (keine sicherheitstechnische Bedeutung) zu bewerten. Nach der deutschen Meldeordnung musste der Vorfall innerhalb von 24 Stunden den Behörden mitgeteilt werden.
Unklar ist bislang noch, wie das zerbrochene Brennelement nun transportiert werden kann. "Solch eine Situation hatten wir noch nie", sagte ein Sprecher des hessischen Umweltministeriums am Dienstag. "Wir warten jetzt auf ein Bergungskonzept des Anlagenbetreibers RWE." Dies werde vermutlich mehrere Tage dauern.
Während auch das Umweltministerium den bisher einmaligen Störfall als sicherheitstechnisch bedeutungslos einstufte, sagte der Reaktorsicherheitsexperte des Darmstädter Öko-Institutes, Michael Sailer, er halte den Vorfall vom Montag für nicht ganz harmlos. Entscheidend sei jetzt, dass die Hülle des hochradioaktiven Brennelements dicht bleibe und keine strahlenden Spaltprodukte austreten könnten.
Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte, es sei noch nicht absehbar, ob der Unfall Auswirkungen auf die Verlade-Abläufe in anderen Atomkraftwerken haben werde. "Wir müssen klären, ob der Unfall spezifisch mit Biblis zusammenhängt oder ob ein Materialfehler vorliegt, der auch Brennstäbe in anderen Anlagen betreffen könnte."
Nach Ansicht von Eduard Bernhard vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) verstärkt der Unfall die Zweifel an der technischen Kompetenz im Umgang mit Brennelementen. Schon im Februar war es in Biblis beim Umsetzen von Brennelementen zu einem Handhabungsfehler gekommen.