Bayern: Banges Warten auf die BSE-Tests - DER SPIEGEL
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Bayern Banges Warten auf die BSE-Tests

Die Behörden erwarten am Dienstag die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen zu den zwei BSE-Verdachtsfällen in der Oberpfalz. Das bayerische Kabinett berät über Konsequenzen aus der Krise.
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Berlin/München - Nach dem ersten gesicherten Fall von Rinderwahnsinn in Bayern berät will die Regierung des Freistaats am Dienstag entscheiden, was mit den 88 restlichen Rindern des betroffenen Hofes im Oberallgäu geschieht. Auf dem Tisch liegt ein Vorschlag, wonach die Herde zu Forschungszwecken in einer Quarantäne-Station gehalten werden sollen. Die geplante Notschlachtung der Tiere ist deshalb aufgeschoben worden.

Mit den Ergebnissen der Kontrolltests bei zwei weiteren Fällen rechnen die bayerischen Behörden im Laufe des Tages. Nach Schnelltests waren am Wochenende zwei Familienbetriebe in der Oberpfalz gesperrt worden.

Das Bundesgesundheitsministerium rechnet mit weiteren BSE-Fällen in Deutschland. "Wir müssen damit rechnen, dass wir bei der Fortführung der Tests, wie sie jetzt angelaufen sind, weitere Fälle in Deutschland feststellen werden," sagte Gesundheits-Staatssekretär Erwin Jordan am Montag. Er rechne mit Verhältnissen wie in Frankreich. Dort wurden in diesem Jahr bereits knapp 140 an Rinderwahnsinn erkrankte Tiere entdeckt.

Ähnlich äußerte sich Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke. Im NDR rief er die Länder auf, schärfer zu kontrollieren, ob trotz Verbots Tiermehl an Wiederkäuer verfüttert oder den Futtermitteln beigemischt werde. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Uwe Bartels forderte eine bundesweite Tiermehl-Ermittlungsstelle.

Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte sich während eines Besuchs im oberpfälzischen Weiden betroffen von den BSE-Fällen in Bayern. Besonders die Tatsache, dass es sich um Familienbetriebe handele, sei "betrüblich", sagte der Kanzler. Er forderte genauso wie Ministerpräsident Edmund Stoiber die Europäische Union auf, Tiermehl dauerhaft und nicht nur für sechs Monate zu verbieten. Sowohl die Landwirtschaftspolitik als auch die Verbände hätten bis zuletzt die Augen vor den Problemen zugemacht.

Der Präsident des Deutschen und des bayerischen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner rechnet ebenfalls mit weiteren BSE-Fällen, wie er am Montagabend in München sagte. Er betonte jedoch, dass das Fleisch auf dem Tisch des Verbrauchers sicher sei. "In Deutschland bestehe nach wie vor ein Höchstmaß an Sicherheit." Sonnleitner prophezeite in der "Passauer Neuen Presse": "Wir werden fürchterliche Marktverwerfungen und Einkommensprobleme in der Rinderhaltung bekommen."

Über Rinderherde soll am Dienstag entschieden werden

In Bayern steht nach Bestätigung des BSE-Falls im Oberallgäu noch nicht fest, ob die 88 Rinder des fraglichen Betriebes in Sulzberg geschlachtet werden. Stoiber sagte in München, die tierärztliche Fakultät der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität habe vorgeschlagen, dass die Rinder unter Quarantäne gestellt und in einer Art Feldversuch beobachtet und untersucht würden. Er sprach von "einem schweren Schlag für die deutsche und bayerische Landwirtschaft".

Auf einer Pressekonferenz in Sonthofen erklärte der betroffene Bauer aus Sulzberg, Josef Feneberg, dass er sich die BSE-Infektion seiner Kuh "Trixi" nicht erklären könne. In der Sitzung des bayerischen Kabinetts am Dienstag soll darüber entschieden werden, was mit der Herde von 88 Tieren passieren soll.

Die EU-Kommission in Brüssel kritisierte halbherzige Verbraucherschutzmaßnahmen der Bundesregierung. Der Brüsseler Verbraucherkommissar David Byrne rief die Bundesregierung erneut dazu auf, tierisches Risikomaterial aus der Nahrungskette zu verbannen. Es helfe Verbrauchern nicht, über weitere mögliche Übertragungswege zu spekulieren, sagte Byrne und fügte hinzu: "Es ist viel wichtiger, Industrie und Bauern zu zwingen, Gesetze zu respektieren."


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Dazu erklärte das Bundesgesundheitsministerium, in der deutschen Wurst befinde sich weder Rinderhirn noch -mark. Daher gebe es keinen Anlass für eine Rückrufaktion für in der Bundesrepublik hergestellte Wurstwaren.