Bayern-SPD: Die Achse der Roten - DER SPIEGEL
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Bayern-SPD Die Achse der Roten

Die SPD plant eine rote Städteachse im CSU-regierten Bayern. Gemeinsam wollen die Stadtoberhäupter so ihre Position gegenüber der Landesregierung stärken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Ganz Bayern wird von der CSU regiert. Ganz Bayern? Nein, in vielen Städten ist der Rathauschef ein so genannter "Roter", ein Sozialdemokrat. Und die SPD-Stadtregenten haben offenbar aufmüpfige Pläne: Nach den sozialdemokratischen Erfolgen bei den Oberbürgermeisterwahlen in München, Nürnberg und Augsburg will die SPD eine Städteachse im CSU-regierten Bundesland aufbauen, eine Achse der Roten sozusagen.

Die Idee stammt von Münchens Bürgermeister Christian Ude. Der SPD-Politiker schlug vor, die drei größten Städte Bayerns sollten mit zentralen Anliegen gegenüber der Staatsregierung gemeinsam auftreten. In Nürnberg und Augsburg liefen nach den SPD-Erfolgen bei den Stichwahlen am Sonntag bereits erste Sondierungsgespräche für die Zusammenarbeit in den Rathäusern.

Das kräftigende Zusammenraufen scheint notwendig. Denn während die CSU mit dem Löwen und der blauen Raute geschickt die Symbole des Freistaates im Parteilogo führt, mangelt es den Sozialdemokraten offenbar noch an bayerischem Kolorit. Gerade im Süden Bayerns fehlt es an der Verankerung der Partei vor Ort. In manchen Gegenden ist sie buchstäblich in der Diaspora.

Jeder will gewonnen haben

Die kommunalen "Könige" um den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zeigen offenbar wenig Lust, sich in die Niederungen der Landespolitik zu begeben. Und SPD-Landeschef Hoderlein hat noch ordentlich zu schunkeln, um an die Bekanntheit der populären früheren Parteichefin Renate Schmidt heranzukommen.

Die frischen Erfolge verdankt die SPD vor allem jungen und zugkräftigen Kandidaten. Als beste Beispiele gelten der neue Nürnberger OB, der zupackende Managertyp Ulrich Maly, und sein neuer Augsburger Kollege Paul Wengert - genannt "Alpen-Schröder". In Günzburg wurde der erst 33-jährige Gerhard Jauernig zum Stadtchef gewählt.

Trotzdem hat SPD nicht nur Grund zur Freude: Die Sozialdemokraten erzielten bei den Kommunalwahlen mit nur 25,2 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit 50 Jahren. Die CSU erreichte landesweit 45,5 Prozent und eroberte bei den Stichwahlen in Würzburg und Passau die Rathausspitze, büßte aber in den kreisfreien Städten und Kreisen sechs von bisher 60 OB- und Landratsposten ein,

Trotzdem erklärten sich SPD und CSU beide zu Siegern der Kommunalwahlen. "Das ist noch kein Erdrutsch, aber eine gute Bewegung", sagte SPD-Generalsekretär Franz Müntefering in Berlin. Auch CSU-Generalsekretär Thomas Goppel zeigte sich zufrieden. Insgesamt habe sich die von Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber geführte Partei erneut als stärkste Kraft in den Kommunen bewiesen: "Bei Stichwahlen gilt fast immer das Prinzip alle gegen einen. Dagegen kommen wir schwer an."

Auch Stoiber stellte fest, die CSU bleibe wichtigste kommunalpolitische Kraft in Bayern. Er betonte, die Kommunalwahlen seien in erster Linie Persönlichkeitswahlen. Der Ausgang in Nürnberg und Augsburg habe sich schon beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen abgezeichnet und sei nicht mehr einzuholen gewesen.