Bildung Die Lehrer sterben aus
Wiesbaden - In deutschen Schulen sind junge Pädagogen mehr und mehr eine Randgruppe. Nur jeder neunte Lahrer war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes unter 35 Jahren. Die deutsche Durchschnittslehrerin ist inzwischen 46, ihr männlicher Durchschnittskollege 50 Jahre alt.
Sollten nicht bald deutlich mehr junge Lehrer eingestellt werden, seien "Qualitätseinbußen mit alarmierenden Konsequenzen für den Bildungsstandort Deutschland" die Folge, warnte Heinz Durner, Chef des Deutschen Philologenverbandes. Der Anstieg der Alterspyramide unter den Lehrern sei ein bundesweites Problem, sagte auch die Sprecherin des rheinland-pfälzischen Kultusministeriums, Vera Reiß-Jung. Hauptgrund sei das Einstellungsverhalten der Länder in der Vergangenheit.
In den bildungsbegeisterten siebziger Jahren wurden in ganz Deutschland zehntausende neuer Lehrerstellen geschaffen, in den achtziger Jahren kam eine dramatische Kehrtwende. Viele Länder fuhren auf Grund sinkender Schülerzahlen die Zahl der Neueinstellungen auf nahe Null zurück. Öffentlich wurde davor gewarnt, den Lehrerberuf zu ergreifen. Mit wieder steigenden Schülerzahlen stellten die Kultusministerien zwar ab Anfang der neunziger Jahre wieder mehr Lehrkräfte ein, dennoch wurde Unterrichtsausfall zu einem Dauerproblem.
In diesem Jahr nun sieht sich die Kultusbürokratie einer neuen Schwierigkeit gegenüber. Es gelingt kaum noch, die offen werdenden Stellen zu besetzen. "Was jetzt kommt, ist die Pensionierungswelle", sagt Hjalmar Brandt, Landesgeschäftsführer des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Rheinland-Pfalz. Immer mehr Pädagogen verlassen die Schule: Es ist die große Gruppe unter den bundesweit insgesamt 669.000 Lehrkräften, die vor rund 30 Jahren eingestellt wurde und nun Zug um Zug die Pensionsgrenze erreicht. Der Philologenverband macht für den Nachwuchsmangel vor allem die schlechten beruflichen Bedingungen für junge Lehrer verantwortlich. So seien erst im vergangenen Jahr die Bezüge von Referendaren um bis zu 25 Prozent gekürzt worden. Manche Lehramtskandidaten, erklärt auch VBE-Mann Brandt, lägen mit ihrem Einkommen nur noch knapp über dem Sozialhilfeniveau.