Birgit Hogefeld Leitfigur der dritten RAF-Generation
Frankfurt am Main - Während Christian Klar nach der Ablehnung seines Gnadengesuchs von Bundespräsident Horst Köhler noch mindestens bis Anfang 2009 hinter Gittern bleiben muss, könnten sich für Birgit Hogefeld vielleicht schon im kommenden Jahr die Gefängnistore öffnen. 2008, nach 15 Jahren in Haft, kann die derzeit 50-Jährige erstmals einen Antrag auf Aussetzung ihrer Reststrafe zur Bewährung stellen - wenn Köhler sie nicht doch früher begnadigt: "Der Bundespräsident wird jedoch zu gegebener Zeit erneut und von Amts wegen über das Gesuch befinden", erklärte das Präsidialamt heute.
Hogefeld gehörte zur letzten RAF-Generation - und wird zu den Leitfiguren der dritten RAF-Generation gezählt. Sie war 1984 in den Untergrund gegangen, Jahre nach dem Tod der "Gründer" Andreas Baader und Ulrike Meinhof und auch deutlich nach den Festnahmen der Anführer der sogenannten zweiten RAF-Generation um Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt. Nach neun Jahren im Untergrund und einer Vielzahl bis heute ungeklärter RAF-Verbrechen, am 27. Juni 1993, wurde sie auf dem Bahnhof von Bad Kleinen festgenommen. Ihr Komplize Wolfgang Grams kam dort bei einem Schusswechsel mit der GSG 9 um, ebenso wie der Polizist Michael Newrzella.
Nach einem mehrjährigen Prozess wurde Hogefeld schließlich wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sah es als erwiesen an, dass sie 1985 an der Ermordung eines jungen US-Soldaten und an dem Anschlag auf den US-Militärflughafen beteiligt war, bei dem zwei Menschen starben.
In dem Prozess rief Hogefeld Ende 1996 die RAF öffentlich zur Auflösung auf: Der Kampf sei gescheitert. Im April 1998 erklärte sich die RAF in einer von den Ermittlern für authentisch gehaltenen Erklärung tatsächlich für aufgelöst: "Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte."
hen/AP/dpa