Brandanschlag auf Synagoge Tatverdächtiger festgenommen
Erfurt - Es wurde Haftbefehl beantragt, teilte die Staatsanwaltschaft Erfurt am Montag mit. Nach weiteren Tätern aus dem Umfeld der rechtsextremen NPD wird gesucht. Der 18-Jährige wurde anhand von Fingerabdrücken, die auf dem Bekennerschreiben am Tatort gefunden worden, identifiziert. Das Schreiben der Gruppe "Die Scheitelträger" war mit "Heil Hitler" unterzeichnet. Der junge Mann verweigert die Aussage.
Auf das jüdische Gotteshaus war am Donnerstag abend - am Tag des Hitler-Geburtstages, ein Molotow-Cocktail geworfen worden. Am Gebäude entstand kein Schaden, es wurde auch niemand verletzt. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt hatten es zunächst auch für möglich gehalten, dass eine linke Gruppe einen rechtsextremen Anschlag vorgetäuscht hat.
Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Das Bundeskriminalamt wurde in die Untersuchungen eingeschaltet und wertet den Bekennerbrief aus. Für die Aufklärung und Ergreifung der Täter wurden 10.000 Mark Belohnung ausgesetzt.
Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin rief dazu auf, bei den Ermittlungen ein klares Signal der Abschreckung zu setzen und deutlich zu machen, dass solche Verbrechen und Rechtsextremismus oder Fremdenfeindlichkeit nicht geduldet würden.
Der PDS-Landtags-Vize Bodo Ramelow hat nach eigenen Angaben einen Drohanruf bekommen, der im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Erfurter Synagoge steht. Das Innenministerium nehme den Anruf sehr ernst, hieß es. Ein Mitarbeiter der Erfurter Staatskanzlei erhielt einen ähnlichen Anruf, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.
Thüringens Innenminister Christian Köckert kündigte im Mitteldeutschen Rundfunk an, die Polizei werde den Druck auf die rechte Szene steigern. Ihr müsse klar gemacht werden, dass für sie in Thüringen kein Platz sei.
Däubler-Gmelin sagte der "Welt am Sonntag": "Polizei und Justiz müssen durch konsequente Strafverfolgung und Bestrafung der Täter deutlich machen, dass unsere Gesellschaft solche Verbrechen und Rechtsextremismus oder Fremdenfeindlichkeit nicht duldet." Gleichzeitig ermahnte sie die Bürger, mehr Zivilcourage zu zeigen. "Heute schauen noch zu viele weg, wenn Fremde belästigt oder zusammengeschlagen werden". Die Gesetze reichen nach Ansicht der Justizministerin aus. Sie müssten aber durchgesetzt werden.