BSE Start frei für Schlachtprogramm
Frankfurt/Main/London - Insgesamt sollen bis zu 400.000 Rinder gekeult werden. 19 überwiegend in Nord- und Westdeutschland gelegene Schlachthöfe nehmen Rinder, die älter als 30 Monate und BSE-frei sind, zur Schlachtung an. Bis Ende April sollen die getöteten Rinder zu Tiermehl verarbeitet werden. Danach ist auch eine Einlagerung des Fleisches möglich. Bauern und Schlachthöfe befürchten, dass die Aktion wegen der Maßnahmen gegen die drohende Maul- und Klauenseuche (MKS) wenig Erfolg haben könnte.
Auf Grund der akuten MKS-Gefahr sind Sammeltransporte von Tieren derzeit verboten. Für Bauern mit wenigen zu schlachtenden Rindern könnte eine Beteiligung an dem Programm daher unrentabel sein. Da es in Hessen keinen zuständigen Schlachthof gibt, sind die Transportstrecken vor allem für hessische Bauern sehr lang. Die nächsten Schlachtbetriebe liegen in Nordrhein-Westfalen und Thüringen.
Die EU hatte die Aktion Ende des vergangenen Jahres beschlossen, in Frankreich läuft sie seit Januar. Die Bundesregierung hatte sich gegen das Tötungsprogramm ausgesprochen, musste sich aber dem Beschluss beugen.
MKS in Großbritannien
Vier Wochen nach Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) hat die Zahl der nachgewiesenen Fälle in Großbritannien die 600-Grenze überschritten. Allein am Sonntag waren 47 neue Fälle hinzugekommen. Die Gesamtzahl der betroffenen Höfe und Betriebe liegt jetzt bei 607. Premierminister Tony Blair hat das Vorgehen gegen die Seuche nach Medienberichten zur "Chefsache" erklärt. Sein Plan, am 3. Mai Unterhauswahlen abzuhalten, gerät zunehmend unter Druck.
Die Armee begann am Sonntag in der nordwestenglischen Grafschaft Cumbria damit, auf einem ehemaligen Fliegerhorst ein Massengrab für bis zu 500.000 Tierkadaver zu schaufeln. In den vergangenen vier Wochen sind etwa 530.000 Tiere getötet oder zur Schlachtung bestimmt worden. Das sind bereits 100.000 mehr als bei der letzten MKS-Krise 1967, die neun Monate dauerte.
Blair gerät unter Druck
Die MKS-Krise wird für Blair auch immer mehr zu einem politischen Problem. Seine offensichtliche Entschlossenheit, trotz der Krisenstimmung in weiten Landesteilen für den 3. Mai Unterhauswahlen auszurufen, wird zunehmend kritisiert. Blair, der mit seiner Entscheidung noch etwa zehn Tage Zeit hat, müsse das nationale Interesse jetzt über Parteiinteressen stellen, fordern seine Kritiker. In Medienberichten wurde spekuliert, dass Blair sich zu einer Verschiebung der noch nicht angekündigten Wahl bis in den Juni entscheiden könnte.
Agrarminister Nick Brown hat angekündigt, dass ab sofort landesweit alle Tiere auf Farmen getötet werden sollen, die in unmittelbarer Nachbarschaft von MKS-betroffenen Höfen liegen. Bisher war die Notschlachtung von Tieren im Umkreis von drei Kilometern nur in den Regionen Cumbria und Südschottland angeordnet worden.
Die Regierung will auch untersuchen, ob und wie Tiertransporte über lange Entfernungen künftig eingeschränkt werden können. Ferner soll eine völliges Verbot der Nutzung von Küchen- und Restaurantabfällen als Schweinefutter durchgesetzt werden. Nach einem Bericht des "Observer" hat die Regierung es seit drei Jahren versäumt, ein derartiges Verbot zu verwirklichen. Etwa 80.000 Schweine werden nach offiziellen Angaben noch mit diesen Abfällen gefüttert.