BSE Zögerlicher Beginn des Schlachtungsprogramms
Berlin/Frankfurt - Die Ankauf-Aktion, die EU-weit bereits im Januar gestartet war und für die Landwirte freiwillig ist, lief auf zunächst nur zwei Schlachthöfen in Sachsen und Schleswig-Holstein an. Zudem verringerte sich die Zahl der beteiligten Schlachthöfe auf 18, da nach dem einzigen bayerischen auch der einzige thüringische Betrieb seine Zusage zurückgezogen hatte. Das teilte die Sprecherin der zuständigen Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Angelika Pfitzinger, in Frankfurt/Main mit.
In Nordrhein-Westfalen sind Rindertransporte zu den fünf dort beteiligten Schlachthöfen wegen des Seuchenrisikos nach dem MKS-Ausbruch in den benachbarten Niederlanden bis Ende der Woche ganz verboten. In Baden-Württemberg sollen auf dem landesweit einzigen dafür zuständigen Schlachthof am Donnerstag und Freitag 300 bis 400 Rinder getötet werden. Auch aus Bayern und Hessen liefern Bauern Tiere dorthin. Trotz der Transportprobleme und des Versuchs von Tierschützern, die Tötung juristisch zu stoppen, verlaufe die Aktion planmäßig. "Sie funktioniert erschwert, aber sie funktioniert."
"Die Ställe sind übervoll", sagte der Sprecher des Deutschen Bauernverbands (DBV), Michael Lohse. Angesichts der nach wie vor zurückhaltenden Verbrauchernachfrage sei die Aktion notwendig. Hohe Transportkosten in weit entfernte Schlachthöfe drohten die Erlöse aus dem Verkauf der Rinder aber aufzuzehren. Sammeltransporte seien darüber hinaus wegen der MKS-Gefahr verboten.
Die Bauern müssen den Transport der Tiere selbst bezahlen. Pro Kilo Schlachtgewicht bekommen sie nach Angaben des DBV 3,30 Mark. Dies seien 14 Pfennig weniger, als in anderen EU-Ländern gezahlt werde. Nach Informationen des ZDF-Wirtschaftsmagazins "Wiso" haben die Landwirte bisher nur sehr verhalten Tiere für das Schlachtprogramm angemeldet. Die Zahl liege bei wenigen hundert Rindern.
Bei dem Schlachtungsprogramm wird das Fleisch der über 30 Monate alten und auf BSE getesteten Rinder zu Tiermehl verarbeitet und verbrannt. Ab etwa 23. April soll die Maßnahme "zur unschädlichen Beseitigung" in Deutschland nahtlos in ein neues EU-Ankaufprogramm übergehen. Dabei können die Mitgliedsstaaten das Fleisch auch auf eigene Kosten einlagern oder in Notgebiete liefern.
Von dem ersten Programm sollten ursprünglich bis zu 400.000 Rinder betroffen sein. Künast und der Bauernverband rechnen aber damit, dass nur etwa 100.000 auf BSE getestete Rinder geschlachtet und vernichtet werden. Bei dem Anschlussprogramm könnten nach Schätzungen des Verbraucherschutzministeriums bis zu 240.000 Rinder in Deutschland getötet werden.