Bsirske Der grüne Modernisierer
Hannover - Sein Schreibtisch steht noch im Rathaus von Hannover. Und dass er ihn so schnell verlassen wird, damit hat er selbst am allerwenigsten gerechnet: Frank Bsirske, bisher Personaldezernent in der niedersächsischen Landeshauptstadt, steht jetzt an der Spitze der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. Aus der dritten Reihe ist er überraschend an die Spitze der ÖTV vorgerückt.
Mit dem 48 Jahre alten Diplom-Politologen ist erstmals ein Grüner Vorsitzender einer der mächtigsten Gewerkschaften in Deutschland geworden. In Hannover gilt Bsirske als fähiger Manager: Seit 1997 führt er das Personaldezernat der Stadtverwaltung und ist Chef von rund 16.000 Beschäftigten. "Der Gewerkschafter Bsirske muss sich nicht verbiegen", entgegnete er bei seinem Amtsantritt in Hannover denjenigen Kritikern, die wegen seines Wechsels von der Seite der Arbeitnehmer auf die Seite der Chefs Zweifel hegten.
In der niedersächsischen Landeshauptstadt hat sich Bsirske vor allem als Modernisierer eingerosteter Verwaltungsstrukturen einen Namen gemacht: "Die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes muss verbessert werden", ist sein wichtigster Leitgedanke. So führte Bsirske so genannte Bürgerämter ein: In diesen Serviceeinrichtungen können die Einwohner direkt in ihrem Stadtteil alle Behördengänge an einer Stelle abwickeln. Auch die Vergabe von Führungsposten auf Zeit geht auf seine Initiative zurück. Sein jüngster Vorschlag: Die Einführung von flexibleren Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst, damit beispielsweise die städtischen Kindergärten ihre Öffnungszeiten besser an die Bedürfnisse der Eltern anpassen.
Vor seiner Zeit als Personalchef in Hannover war Bsirske stellvertretender ÖTV-Chef in Niedersachsen - auch auf einen Wechsel an die Spitze der Landesorganisation wurden ihm damals gute Chancen eingeräumt. Begonnen hatte er seine berufliche Karriere 1978 als Bildungssekretär bei der SPD-nahen Jugendorganisation Falken. Später wechselte er als Mitarbeiter zur Ratsfraktion der Grünen in Hannover, bevor er Ende der achtziger Jahre dann zur ÖTV ging - zunächst als stellvertretender Geschäftsführer in Hannover, dann als Vizechef in Niedersachsen.
Bsirske gilt als glänzender Rhetoriker, als guter Organisator und als Mann, der auch langfristig strategische Konzepte entwickeln kann. "Wenn einer die Situation in der ÖTV in den Griff kriegen kann, dann er", sagt Enno Hagenah, niedersächsischer Landtagsabgeordneter der Grünen und lange Jahre Weggefährte des neuen Gewerkschaftschefs. "Als Grenzgänger zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern kennt er beide Seiten des Tisches. Und das ist enorm wichtig."