Bund oder Länder Wer bekämpft die Kampfhunde?
Hamburg/Berlin - Däubler-Gmelin sagte im Deutschlandfunk, durch zahlreiche Hundeangriffe in der Vergangenheit sei der Zeitpunkt für Konsequenzen schon lange gekommen. Sie sei der Auffassung, dass derartige Tiere in einer Stadt nicht artgerecht gehalten werden könnten. "Es darf einfach nicht sein, dass man Tiere so missbraucht, so überzüchtet oder Kampfhunde einführt und dann herumlaufen lässt", sagte die Ministerin. Leichter wäre der Weg, klare Ländergesetze zu erlassen. Wenn dies nicht gehe, müsse der Bund "ganz schnell" Gesetze machen. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder vertrat diese Ansicht. Mit dem Thema wollen sich auch das Bundeskabinett und die Innenministerkonferenz am Mittwoch befassen.
Die FDP-Fraktion beantragte am Dienstag eine Aktuelle Stunde des Bundestags zum Thema Kampfhunde. Der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Jörg van Essen, erklärte, dabei solle darüber diskutiert werden, wie die Bevölkerung, insbesondere die Kinder, vor Hundeattacken zuverlässig geschützt werden können.
"Die unerträglichen Vorgänge gerade in den letzten Tagen machen ein sofortiges Handeln der Politik notwendig", erklärte van Essen. Die FDP-Fraktion habe bereits in der Vergangenheit für einen besseren Schutz der Opfer vor Straftaten und Kampfhundeattacken gesorgt. "Sie wird alles unternehmen, dass sich Vorgänge dieser Art in diesem Land nicht wiederholen können und dazu für den Druck auf allen politischen Ebenen sorgen", erklärte van Essen. Die Maßnahmen in anderen europäischen Ländern hätten deutlich gemacht, dass durch zielgerichtetes politisches Handeln der Politik ein effektiver Schutz der Bevölkerung erreicht werden könne.
Kinder schwer traumatisiert
Durch Hamburg-Wilhelmsburg, wo der sechsjährige Schüler Volkan auf dem Gelände einer Grund- und Hauptschule von zwei Kampfhunden zu Tode gebissen worden war, zogen am Montagabend mehrere hundert Menschen in einem Trauermarsch. Auf Plakaten forderten sie unter anderem ein Verbot von Kampfhunden.
Psychiater wiesen darauf hin, dass die Kinder, die bei der Kampfhundattacke auf den sechsjährigen Schüler dabei waren, wahrscheinlich eine schwere psychische Traumatisierung erlitten hätten. Die Kinder hätten erlebt, dass die Erwachsenen sie nicht schützen konnten. Das führe zu lang anhaltender Verunsicherung. Die Bissattacke der beiden Kampfhunde auf den Schüler in Hamburg hatten etwa zehn Schüler miterlebt, die zu dem Zeitpunkt auf den Sportunterricht warteten. Mehrere von ihnen erlitten dabei einen schweren Schock.